Zürich bei Nacht

Power of Existence (Newage/Hiddenfantasy)

Rollenspiele, die noch nicht abgeschlossen und pausiert oder abgebrochen wurden.
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Shana
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Zürich bei Nacht

Beitrag #1 von Shana » 05.02.2017 05:03

Mit einem Händedruck wurde es schließlich besiegelt. Der Mann mit dem karierten Hemd ließ vor dem Bankangestellten erleichtert die Schultern sinken und atmete tief aus. Zwei Wochen hatte er sich die bange Frage gestellt, ob sein Kredit angenommen werden würde. Der Bankangestellte, ein Mann mittleren Alters mit platinblondem Haar und mit einem grauen, unauffälligen Anzug bekleidet, berührte den Kunden leicht am Arm. Eine versöhnliche, sanfte Geste, die von einem freundlichen Lächeln begleitet wurde. Der Blondschopf konnte als charismatischer Mann bezeichnet werden - aber auch als recht unauffällig. Eine unverfängliche Mimik, unverfängliche Gesten und Worte, mit welchen er seinen Beitrag zu der typisch geordneten, höflichen Arbeitsatmospähre einer Bank beitrug. Er hielt das Lächeln aufrecht, bis der Kunde den Ausgang der Bank erreicht und das Gebäude verlassen hatte. Unmittelbar nachdem er den letzten Kunden für diesen Abend aus dem Blick des verloren hatte, bröckelte die Fassade seiner Mimik und ein tiefer Schatten legte sich auf seine Züge. Es war keine herausragende Menschenkenntnis nötig, um zu erkennen, dass diese ungehaltene Reaktion sich nicht auf irgendeinen Kunden bezog. Nicht einmal die nervenaufreibendste Kundschaft wäre dazu in der Lage gewesen, in einem Menschen solch' einen kühlen Hass und solch' eine tiefe Sorge heraufzubeschwören, die sich gerade tief in seine Züge gegraben hatte. Er stand nun alleine hinter der Theke des Eingangsbereichs, denn kurz nachdem der letzte Kunde die Bank verlassen hatte und die Eingangstür abgeschlossen wurde, schienen sich auch die anderen Mitarbeiter seltsam zu verhalten und bewegten sich nahezu simultan in die hinteren Räumlichkeiten des Finanzgebäudes. Schließlich folgte auch der Blondschopf, der sich nachdenklich über das glattrasierte Kinn strich, ehe er sich abwandte und die offene Tür hinter sich ansteuerte. Die ersten Meter legte er in zügigem Gehen zurück, dann jedoch schien es, als würde er von der Sorge, die auf seinen Schultern lastete, verfolgt, gar gejagt werden und er lief durch die Flure.
Auch, wenn das plötzlich einschlagende Verhalten der Bankangestellten sicher nicht als verhältnismäßig betrachtet werden konnte, waren die Flure, durch die der Blondschopf hetzte, genau das, was man von der Inneneinrichtung einer Bank erwarten würde. Eine beige, unpersönliche Tapete an den Wänden, ein blassgrüner Teppich auf dem Boden; doch schließlich eine Tür, die in keinster Weise den anderen Türen glich, die man in dem großen Gebäudekomplex finden konnte. Während alle Türen der Bank in der Regel aus Holz gefertigt waren, handelte es sich bei der Tür, die man nur erreichte, wenn man bereits mehrere Durchgänge mit der Beschilderung "Nur für Mitarbeiter" zurückgelegt hatte, um eine massive Stahltür, die vom Blondschopf nun außer Atem geöffnet wurde. Vor ihm eröffnete sich ein Raum der in blaues Licht getaucht war und im besten Falle an eine Kommandozentrale erinnerte - aber keinesfalls an eine Räumlichkeit, die man in einer Bank vermutet hätte. Der Blondschopf begradigte seine Haltung. Seine Augen scannten jeden Winkel, jede Bewegung. In der Mitte des Raumes war ein breiter, runder Tisch aufgestellt - auf dem Tisch konnte man die Quelle des blauen Lichts festmachen. Es handelte es sich, wenn es durch einen Unwissenden beschrieben werden müsste, um ein holographisches Abbild der Hauptstadt aus der Vogelperspektive - doch kein Projektor oder ähnliches war im Raum zu erkennen. Das blaue Lichtabbild der Stadt, die nur die groben Gebäude und nur wenige, kleinere Details offenbarte, schien wie durch Zauberhand auf dem Tisch entstanden zu sein und nicht weniger gebannt starrten alle Mitarbeiter auf die holographische Karte, offenbar darauf wartend, dass etwas passierte.

Der Blondschopf trat nun an den verbliebenen, leeren Platz, reihte sich neben den Mitarbeitern ein und starrte in gleicher Manier auf das Hologramm. Es vergingen Minuten der Regungslosigkeit - die Atmosphäre war vollständig gekippt. Wo eben noch freundliche, höfliche Gesichter zu sehen waren, herrschte grimmiger Ernst. Dann schließlich regte sich etwas auf dem Hologramm. Ein roter, leuchtender Punkt, der sich nach und nach zu einer Kugel aufblähte und im südlichen Teil der Stadt lokalisiert wurde. Mit der Bewegung auf dem Hologramm kam auch Regung in die Gruppe aus Bankangestellten, wenn sie in einer Situation wie dieser überhaupt noch als Solche bezeichnet werden konnten. Die Schubladen der Tische an den Seiten des Raums wurden aufgezogen, längliche Papiere mit fremdartigen Symbolen darauf wurden aus den Fächern geholt und allem Anschein nach wurde die erhaschte Information, die man so eben durch das Hologramm erhalten hatte, an mehrere Stellen weitergeleitet, während die länglichen Papierstücke dabei als Kommunikationsmittel genutzt wurden. Die Gespräche verliefen kreuz und quer im Raum - nur der Blondschopf verharrte still vor dem Hologramm und beobachtete die Bewegung des roten Punktes. Die Stille war gebrochen - die Lautstärke im Raum nahm durch jede Sekunde, mit der die Gespräche fortliefen, etwas zu. Dennoch nahm der Blondschopf die Geräuschkulisse kaum war - zu tief verankert lag sein Fokus auf der rot leuchtenden Kugel, die das sanfte Blau des Abbildes Zürichs befleckte. Ganz gleich, um was es sich handelte. Selbst für Unwissende musste klar sein, dass es sich bei diesem roten Punkt um eine Gefahr handelte. Wie groß die Gefahr sein mochte? Die Reaktion der Mitarbeiter vermittelte den Eindruck, es handelte es sich um eine gezündete Interkontinental-Rakete oder eine fürchterliche Naturkatastrophe - weltliche Sorgen, die großen Schrecken verbreiteten. Doch weder das Hologramm, noch die unkonventionellen, magisch-anmutenden Kommunikationsmittel der Mitarbeiter ließen den Gedanken zu, es würde es sich bei dieser Gefahr um etwas handeln, was durch Menschenhand oder Mutter Natur erschaffen wurde. Diese Gefahr war übernatürlich, von den Blicken ordinärer Menschen verborgen.
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Kimor
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Zürich bei Nacht

Beitrag #2 von Kimor » 06.02.2017 22:41

Acht Uhr, aufstehen, der Kopf ein Crescendo des Schmerzes, zu viele Schläge ins Gesicht bekommen, aber die Arbeit ruft, die Gelenke knacken und der Körper protestiert, trotzdem, aufstehen, die Arbeit ruft. Das Spiegelbild schaut grimmig zurück, das linke Auge umrahmt von einem Bluterguss, er tastet es ab, atmet zischend ein, flucht, dann untersucht er die aufgeplatzte Lippe, verkrustet aber schon am Heilen. Er erinnert sich an die Fäuste von gestern, Dampfhämmer, die gegen sein Gesicht donnerten, bis ihm schwarz wurde und der Boden seitlich auf ihn zu kam, dann Schwärze. Unter der Dusche ging Kimor nochmal den Kampf durch, grübelte über seine Fehler: mangelnde Deckung, zu kleine Reichweite, zu langsam und er nahm sich vor, sie zu korrigieren, aber erst wartetet die Arbeit. Mit Hoodie und Jeans verlässt er seine Wohnung, kontrolliert nochmal, ob der Abdeckstift die Schwellung um das Auge ein wenig versteckt, nicht wirklich, dann nimmt er den Bus bis zum nächsten Bahnhof. Die Musik aus seinem Smartphone trägt ihn bis zu seinem Arbeitsplatz, wo ein Bildschirm auf ihn wartet, ein schwarzes Viereck wie ein Auge, das dein Leben verschlingt. Im Geiste geht er noch immer den Kampf durch, spürt wieder die Hitze des Kampfes, der Geruch nach Schweiss, das Gefühl der Gummimatten an den Fusssohlen, die Schreie der Zuschauer, der Geschmack von Blut im Mund, das Knirschen von Zähnen auf dem Mundschutz, er liebte es zu kämpfen, selbst wenn er manchmal die Scheisse aus dem Leib geprügelt bekommt. „Herr Narmon, sind die Anpassungen an den Credentials für die Accounting Gruppe schon gemacht?“, die Stimme seines Vorgesetzten reisst ihn aus seinen Gedanken, er schaut blinzelnd hoch, dann durchstöbert er das Tickettool, findet den gewünschten Request und erwidert: „Wurden vor etwa zehn Minuten geändert, haben sie das Abschlussmail nicht bekommen?“ Es folgt ein entschuldigendes Murmeln, dann rauscht der Fragesteller davon. Kimor schüttelt nur verständnislos den Kopf, dann arbeitet er weiter an den Tickets, die ihm zugestellt werden.

Seine Mittagspause verbringt er in der firmeninternen Kantine, gönnt sich ein Nudelgericht und kommt in Erklärungsnot, als er auf das Veilchen angesprochen wird, aber sie scheinen ihm zu glauben, dass er es bei einem Sportunfall verpasst bekommen hat, was ja nicht 100% gelogen ist. „Du hast ziemlich oft Prellungen oder solche Unfälle. Was machst du überhaupt für einen Sport?“ Es ist die Frage, die sein Herz immer wieder zum flattern bringt, seine Atmung beschleunigt sich, weil er kurz davor steht, ertappt zu werden, wenn er keine vernünftige Erklärung abliefert. Durchatmen Kimor, du hast das schon zig male durchgemacht, also einfach durchatmen und deine Standarderklärung abgeben: „Ich trainiere für Kampfsport und stelle mich manchmal in Übungskämpfen ungeschickt an.“ Verwunderte Blicke folgen, dann lächelt er verlegen, was normalerweise dazu führt, dass seine Gesprächspartner in Gelächter ausbrechen oder mitfühlend zurück lächeln. Klippe umschifft, Kimor, war doch gar nicht so schwer. Das Essen verläuft sonst ereignislos, es wird Klatsch ausgetauscht, die neusten Eskapaden von Prominenten besprochen, der übliche Trott bis die Mittagspause beenden ist, dann nochmal vier Stunden vor dem digitalen Schirm. Tickets bearbeiten, quittieren und mit einem Kommentar schliessen. Manchmal verliert Kimor seinen Fokus, er starrt aus dem Fenster, sieht die Limmat, wie sie an dem Gebäude vorbeifliesst, und sieht darin seine Zukunft davon treiben. Meistens reisst ihn ein Mitarbeiter oder das Telefon aus diesem Sog heraus, den der Fluss auf ihn ausübt, manchmal aber sitzt er einfach nur zehn Minuten da und verfolgt die Liter um Liter Wasser, die zum See hin rauschen.

Um halb Sieben verlässt er das Gebäude und stellt sich mit Kopfhörern im Ohr an die Tramhaltestelle nur vier Minuten von seinem Arbeitsort entfernt liegt, dieses Mal lauscht er den sanften Klängen eines Piano Solos, das ihn immer zu beruhigen vermag. Er ist nur einer von etwa einem Dutzend, die ebenfalls endlich nach Hause fahren wollen, aber dann erklingt die Durchsage, dass das Tram ca. acht Minuten Verspätung haben wird. Türendefekt, sagen sie und ein genervtes Stöhnen entringt sich der meisten Wartenden, andere verziehen nur grimmig das Gesicht, aber Kimor lächelt, denn das bedeutete, dass er weitere acht Minuten an der frischen Luft seine Musik hören konnte.
Greise glauben alles, Männer bezweifeln alles, Junge wissen alles.
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Shana
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Zürich bei Nacht

Beitrag #3 von Shana » 16.02.2017 06:01

Die Gedanken um die rot leuchtende Kugel, deren Bewegungen der Blondling genau beobachtete, wurden für einen einzigen Moment aus den Bahnen geworfen, als ein Mitarbeiter wieder an seine Seite trat, um ihm in einem gedämpften Ton einige Informationen zukommen zu lassen. Er bestätigte mit einem Nicken. Einen Hauch entspannter und doch gebannt, lehnte er sich etwas vor. Sie hatten die Gefahr entdeckt - mit Glück wäre das für heute alles gewesen, was nötig war.

Das Warten der Menschen würde endlich mit dem Erscheinen des Straßenbahnwagons belohnt werden. Der Wagon wurde allerdings wenige Meter vor der eigentlichen Haltestelle abrupt gestoppt - sie wurde nicht abgebremst, dafür war der Stopp der Straßenbahn viel zu plötzlich, viel zu unnatürlich. Hätte Kimor diesen Vorgang bemerkt, wäre er der Einzige gewesen, der sich über diese Anomalie hätte wundern können denn all die anderen Menschen um ihn herum waren wie der Wagon erstarrt. Doch weder ein tiefsitzender Schock noch überwältigende Furcht ließen die Personen, die Kimor umgaben, so erfrieren. Nachdem jeglicher Wind binnen weniger Sekunden versiegt war, folgten kurz danach auch die nahen und fernen Geräusche der Stadt, was die Umgebung um Kimor in eine solche Stille tauchen würde, dass er seinen eigenen Herzschlag hätte hören können, wenn die Musik nicht gewesen wäre. Alles kam zum Stillstand, bis auf Kimor, der sich nun inmitten eines stillen, regungslosen Gemäldes der Stadt befand. All das war binnen weniger Atemzüge passiert, so das wenig Zeit war, sich um die Laut- und Regungslosigkeit der Umgebung zu wundern, bis ein lautes, schneidendes Geräusch die Stille durchschnitt, nicht jedoch die Regungslosigkeit der Umgebung beeinflusste. Mit dem lauten Geräusch tauchte sich die gesamte Umgebung in einem Umkreis mehrerer Kilometer, mitsamt seiner Menschen, in ein intensives Scharlachrot. Dann kehrte schlagartig wieder Stille ein. Es war, als würde die gesamte Umgebung in dieses rote Licht gehüllt - andererseits war diese farbliche Veränderung für ein Licht zu tiefgehend. Es schien, als wäre die Farbe tief in den Asphalt der Straßen, dem Material der Gebäude und den Körpern der Menschen eingesunken. Nur Kimor war von dieser farblichen Veränderung verschont geblieben. Was dieses Ereignis zu bedeuten hatte? Allem Anschein nach konnte gerade nur Kimor allein den Versuch starten, diese Begebenheit zu deuten. Für einen gewöhnlichen Menschen würden sich schließlich unzählige Theorien finden lassen, wenn der eigene Verstand einen so weit zu tragen in der Lage gewesen wäre. Man konnte über eine Psychose mutmaßen, die einem wie aus dem Nichts heimsuchte. Oder gar die Einleitung des Armageddon?

Zumindest Letzteres würde in diese Vorstellung passen, denn bevor man die Gelegenheit gehabt hätte, weitere Thesen aufzustellen, unterbrach ein weiteres Geräusch die Stille. Diesmal handelte es sich um ein lautes Stampfen, welches einige Straßen weiter ertönte. Der Ursprung dieses Stampfens wäre von der Haltestelle der Straßenbahn aus alsbald ausgemacht werden, als sich ein riesiges Etwas hinter einem Gebäude hervor schwang. Es handelte sich bei diesem Etwas um ein sechs Meter großes Geschöpf - ein Humanoid, um dessen grüne, schuppige Haut sich unzählige braune Lianen wickelten, die große Teile seiner Extremitäten verbargen. Sein Kopf hatte die Form eines nackten Stierschädels in dessen leeren Augenhöhlen ein intensives Grün leuchtete. Trotz der fehlenden Haut und Muskeln hörte man, wie sich die stillstehende Luft tief in seine Nasenlöcher zog, als er in der Umgebung hallend die Witterung aufnahm und sich die grün leuchtenden Punkte in seinen Augenhöhlen schließlich direkt auf die Menschengruppe legte, in der sich auch Kimor befand. Deutlich energischer, als die Kreatur die eingefrorene Menschenmenge erblickte, stürmte sie auf die Haltestelle zu. Die Vermutung lag nahe, dass sich das Ungeheuer sofort einen Menschen greifen würde, sobald es in Reichweite war, um es auf irgendeine Art und Weise zu verschlingen. Es fing in der Tat an, sie zu verschlingen, doch nicht so, wie man es vermuten würde. Die irreale Kreatur zog ein weiteres Mal tief die Luft in seine Nasenlöcher ein, doch diesmal folgte mit der Luft auch eine Art blauer Schleier, der von den erstarrten Menschen entzogen und in die Nasenlöcher gesaugt wurde. Es war deutlich sichtbar, dass die Menschen nach und nach verblassten, doch bevor sie gänzlich verschwanden, bemerkte das Ungeheuer, dass eine Person nicht erstarrt war und neigte den Kopf für einen Moment irritiert nach unten. Ein tiefes, dumpfes Brummen erklang und brachte ein fragendes Wort heraus. "Mystes?"
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Kimor
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Zürich bei Nacht

Beitrag #4 von Kimor » 22.02.2017 21:58

Die sanften Klänge hallen in seinem Inneren nach während er sich überlegt, ob er wegen der acht Minuten Verspätung seinen Anschluss verpassen würde, denn das würde bedeuten, nochmal 30 Minuten am Bahnhof zu verbringen. Mit gerunzelter Stirn kalkuliert Kimor die Zeit für den Weg, plus den Fussmarsch und vertreibt sich so zur Musik die Zeit, wobei er ab und zu seine Mitmenschen beobachtet. Viele davon starren auf ihr Smartphone, wie hypnotisierte Blumen, die dem fahlen Schein der Displays folgen, andere plaudern miteinander, lachen oder schmunzeln. Manchmal fragt er sich, wer diese Fremden sind, welche Geschichte hinter ihren facettenreichen Gesichtern verborgen liegt, ob sie mit sich zufrieden sind, mit ihrer Welt, mit dem was sie tun. Kennen sie vielleicht diese Sehnsucht nach mehr? Danach auserwählt oder bedeutend zu sein? Kimor seufzt leicht, weil ihm klar ist, dass er seine eigenen Probleme auf seine Mitmenschen projiziert , was ihm oft passiert.
Nach einer Weile verspürt er plötzlich Hunger, ein nagendes Gefühl im Bauch, das ihn aufschreckt und unwillkürlich dazu bringt, seine Hand darauf zu legen. Für einen Moment legt er dieses Gefühl als normale Reaktion auf das Ende des Arbeitstages ab, schliesslich hat er seit dem Mittagessen nichts mehr zu sich genommen, dann ist es doch klar, dass sich sein Magen meldet. Doch eine kleine Stimme erinnert ihn daran, was auf plötzliche Anfälle von nagendem Hunger folgt, die Anfälle und die Schmerzen, dann der Filmriss und das Vergessen. Beunruhigt kramt er in seinen Taschen nach etwas Essbarem, aber er findet nur Münzen, ein Stück Papier, wahrscheinlich eine Quittung, und zu seiner Erstaunen eine Büroklammer, die ihn in den Finger pikst. Wieso ist da eine Büroklammer, Kimor? Er überlegt für eine Weile, wieso er sich so etwas in die Tasche steckt und für einen Moment lenkt es ihn von dem Hunger ab, der an Stärke zunimmt, bis der Magen zum ersten Mal lautstark zu knurren beginnt. Schnell wirft er einen Blick nach links und rechts, die Wangen brennen heiss, aber niemand scheint zu reagieren oder sie ignorieren ihn einfach. Plötzlich macht es ihm etwas aus, dass das Tram Verspätung hat, denn nun möchte er vermeiden, dass erneut ein Magengrummeln für unnötige Aufmerksamkeit sorgt, die ihm peinlich wäre. Als er endlich das Tram hören kann, das charakteristische Rattern und Quietschen in der Kurve, schnappt er durch zusammengebissene Zähne zischen nach Luft, da der Schmerz in seinem Magen sich nun wie eine heisse Klinge anfühlt. Nicht schon wieder, Kimor. Durchhalten. Der nächste Supermarkt ist nur sechs Minuten entfernt. Da sein gesamtes Bewusstsein sich auf sein inneres konzentriert, merkt er nicht, wie das herannahende Fahrzeug plötzlich stehen bleibt. Ihm entgeht, dass die Leute wie zu Säulen erstarrt inne halten, bis er sich bei einer weiteren Schmerzenswelle krümmt und dabei seine Kopfhörer aus den Ohrmuscheln fallen. Sein gepeinigtes Keuchen hallt unnatürlich laut in der plötzlichen Stille der Umgebung wieder, so dass er sich mit Tränen in den Augen dazu zwingt, sich umzusehen. Rot. Alles war rot. Die surreale Situation trifft ihn wie ein Peitschenhieb und lässt ihn die Schmerzen für eine Weile vergessen, während sein Verstand zu verstehen versucht, was geschehen ist. Es muss einer dieser Episoden sein, Kimor. Du verlierst den Verstand. Der Hunger, er wirkt sich auf deine Psyche aus, du halluzinierst eine rote Welt, vielleicht weil du unbedingt Fleisch essen willst. Genau, Fleisch, das muss es sein, rotes, saftiges und weiches Fleisch. Die Komik dieses Gedanken an Fleisch lässt ihn hysterisch Kichern, er fällt auf die Knie, die Arme über dem Bauch überkreuzt, als könnte er dem Hunger damit Einhalt gebieten. Doch es hilft nichts, das Gefühl bahnt sich seinen Weg, wie ein heisses Messer durch Butter, und plötzlich ist da dieser Druck hinter der Stirn, als würde sein Gehirn versuchen, dem Hunger zu entfliehen, in dem es sich einen Weg durch den Schädel bahnt. Kimor hörte das dumpfe Stampfen von Füssen noch, aber die Ränder seines Sichtfeldes werden schwarz, bevor er das unförmige Monster auf sehen könnte. Dann kommt der Boden nähert, gefolgt von Dunkelheit und Vergessen.

Der fragende Klang des Wortes Mystes erreicht gerade den am Boden liegenden Körper des Menschen, als sich dieser nach aussen stülpt, wie wenn man einen Handschuh ausziehen würde. Wo noch ein normaler Sterblicher gelegen hat, erhebt sich langsam die dürre Gestalt von Malsato dem endlosen Hunger, dessen tiefschwarze Augen sich sofort auf das sechs Meter grosse Ungeheuer richten. Ein breites Grinsen macht sich auf seinem Gesicht breit, zeigt seine vorzüglich spitzen Zähne, während in seiner rechten Hand Bidens erscheint, die, ebenso wie ihr Meister, unglaublichen Hunger verspürt. Die, im Vergleich zu dem vor ihm aufragenden Monster, kleine Gestalt öffnet mit einer fast perversen Langsamkeit den noch immer grinsenden Mund, lässt eine fleischig rosane Zunge sehen, die von Speichel benetzte über die Zahnspitzen fährt, bevor sie ihrem Gegner nur zwei Worte entgegen schleudert: „Meins!“, und daraufhin, „Hunger!“
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