Das Ende von Daxicus

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Kimor
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Das Ende von Daxicus

Beitrag #1 von Kimor » 10.01.2017 20:37

Auftakt

Daxicus erwachte prustend von Flüssigkeit umgeben in tiefster Finsternis. Er wusste nicht, wo er war, geschweige denn was er hier tat und die alles verzehrende Dunkelheit die ihn umgab, verhinderte, dass er sich orientieren konnte. Sein Körper schrie von unzähligen Wunden gepeinigt auf, machte es ihm beinahe unmöglich sich über Wasser zu halten, wenn es denn Wasser war, worin er schwamm. Der Krieger versuchte sich zu erinnern, was geschehen war, doch nur schwammige Eindrücke zogen durch seinen Verstand - seine Hände angekettet, die Augen zugeschwollen, kühles Wasser auf seinen Lippen, der liebliche Anblick einer Göttin, die ihn pflegte. Ein Teil von Daxicus’ Verstand rebellierte gegen den letzten Eindruck, stemmte sich vehement dagegen und plötzlich durchfuhr es den Krieger wie einen Blitz. Medamie. Ein einst gedämpfter Lichtpunkt erstrahlte plötzlich in seinem Herzen, liess ihn die unwirtliche Umgebung und die Orientierungslosigkeit vergessen, und sich Medamies Gesicht in Erinnerung rufen, welches ihn so sehr an seine Tochter erinnerte. Doch der Ausdruck darin war anders gewesen, vertrauter, schon fast liebevoller, als würde sie mehr in dem grausamen Tochtermörder sehen als einen kampferprobten Beschützer, einen Reisegefährten oder einen Freund. Dieser Gedanke zerstörte die Ketten der gegeisselten und von Hass und Zorn versiegelten, freudigen Gefühle, wie Dankbarkeit, Vertrauen und Nächstenliebe, erlaubte es ihnen, die raue, unwirtliche See aus Pein und Rache, in welcher Daxicus’ Seele zu ertrinken drohte, zu überfliegen und diese vor ihrem Schicksal zu erretten.
Ein heftiges Zittern ging durch die Flüssigkeit, in der Daxicus schwamm, sie begann Wellen zu schlagen und die fast schon stickige Finsternis verlor ihre bedrückende Wirkung, denn in der Ferne erkannte der von den nun mannshohen Wellen gepeitschte Krieger etwas, das ihm vertraut vorkam, doch er konnte es nicht genau erkennen, es schien ihn jedoch zu rufen. Daxicus folgte dem lockenden Ruf, denn er war von so betörender Schönheit wie der Gesang der Sirenen, doch weitaus reiner, zarter, so zerbrechlich ein Spinnennetz gewoben aus den zarten Banden der ersten Liebe. Er ignorierte den Schmerz, der seinen Körper zu überfluten, ihn in die leere der Bewusstlosigkeit zu zerren drohte und beschleunigte seine Schwimmzüge noch, als wäre das Heil seiner ermordeten Familie davon abhängig. Als Daxicus zu erkennen vermochte, dass jene Präsenz, die ihn gelockt hatte, ein silberner Baum von solcher Pracht war, dass seine Augen ihr nicht länger als einige Herzschläge standhalten konnten, arbeitet er sich mit gesteigertem Eifer darauf zu, pflügte sich durch seine unwirtliche Umgebung auf die Insel zu, wo der majestätische Baum stand. Die Wogen um ihn herum wüteten nun heftiger, Daxicus spürte, wie sie an ihm zu zerren begannen, eine von ihnen begrub ihn sogar unter sich und liess ihn in die tiefste Schwärze zurückfallen, wo er diese Reise begonnen hatte.

Es schien alles verloren für den grössten Krieger seiner Zeit, dessen Körper geschunden war durch die Folter im Gefängnis und so lachte Morpheus, der am Ufer der rettenden Insel stand, lachte schallend und sein Lachen durchdrang selbst das wogende Meer aus dem Blut aller Feinde, die die Scharlachrote Bestie jemals getötet hatte. So erreichte es auch das Ohr des ertrinkenden Daxicus, welches das süsse Lied des Baumes vermisste, und er, der erneut auf die List eines Gottes reingefallen war, erbebte vor Zorn. Ein rotes Glühen wanderte über seinen Körper, liess die Muskeln anschwellen und verlieh dem Schlächter Thebens neue Energie seine Feinde zu massakrieren und die Götter büssen zu lassen. Das dunkelrote Meer pulsierte, ein dumpfes Donnern brandete durch seine Eingeweide und Morpheus’ Lachen verstummte. Der Gott der Träume runzelte Verwirrt die Stirn, sollte es doch er sein, der die Fäden in der Hand hielt, doch seltsamerweise hatte sich die Szenerie verändert, sie war nicht mehr unter seiner Kontrolle und zum ersten Mal durchflutete Morpheus die nackte Angst, denn er wurde Zeuge, wie Daxicus aus dem nun brodelnden Meer stieg. Unzählige, kleine Rinnsale des roten Lebenssaftes suchten sich ihren Weg über den vernarbten, muskelbepackten Körper des Kriegers, als versuchten sie in aller Eile von den wütenden, hasserfüllten Augen zu entfliehen, die sich auf Morpheus richteten. Jener zuckte kurz unter der Intensität des Blickes zurück, doch schnell nahm er wieder seine übliche überhebliche Haltung an, wohl wissend, dass er der Gott der Träume war und dieser Sterbliche ein Nichts. „Morpheus du Wicht! Versteckst dich immer hinter Illusionen und Maskeraden, kämpfe nur ein Mal wie ein Mann!“, knurrte Daxicus und zog instinktiv seine treusten Begleiter, die Schwerter, denen er den grössten Teil seines bisherigen Erfolges verdankte. Morpheus musste verstört mit ansehen, wie sich Tod und Finsternis auf dem Rücken seines Gegenüber materialisierten, kurz bevor dieser sie zückte und gestand sich mit Entsetzen ein, dass ihm dieser Traum langsam zu entgleiten drohte. Daxicus genoss den verzerrten Ausdruck auf dem Gesicht des Gottes, er begann gemächlich, mit raubtierhafter Eleganz auf den Gott zu zugehen, ohne Furcht oder Vorsicht zu verspüren, denn irgendetwas sagte ihm, dass diese Welt ihm mehr zugetan war, als dem Gott. „Daxicus mein werter Freund, wir müssen uns doch nicht im Streit trennen, schliesslich können wir uns doch gegenseitig von Vorteil sein, nicht?“, fragte der langsam zurückweichende Morpheus mit leicht zittriger Stimme, denn nun war ihm klar geworden, dass er nicht einmal mehr fliehen konnte, was er vor einigen Sekunden noch ohne weiteres hätte tun können, doch dieser Traum schien ihn.. festzunageln. Fast schon panisch zuckten seine Augen hin und her, suchten nach einem Ausweg, während der Krieger immer näher kam. „Du drangst in meinen Geist ein, korrumpiertest meine Gedanken, versuchtest mich auf diese hinterhältige, feige Weise wie Ungeziefer zu töten und erbittest dann Gnade und Verständnis?“, grollte Daxicus, zeigte mit dem Finsternis auf Morpheus, worauf dieser verschreckt einen Satz nach hinten machte und gegen den silbernen Baum stiess. Genau diesen Augenblick nutzte der Krieger um nach vorne zu schnellen und beide Klingen wuchtig in den Körper des Gottes zu rammen, wo sie Haut, Fleisch, Knochen, Borke und Baumrinde zerteilten. Der Gott stöhnte auf, dann begann er vor Schmerz zu schreien, stiess Verwünschungen aus, verwandelte sich in tausende von Wesen, einige kannte der Krieger, andere nicht, die meisten waren abscheuliche Ungeheuer, geboren aus Phantasien kranker Gehirne, doch einige wenige waren anmutige, wunderschöne Geschöpfe, doch keine seiner neuen Körper bewahrte Morpheus davor, langsam von Tods alles zersetzenden Kraft zerstört zu werden. Daxicus verfolgte das Sterben des Gottes der Träume mit Genugtuung, es war keine wirkliche Freude, denn Morpheus war kein hoher Gott und vor allem war er keiner der Hauptschuldigen an Daxicus’ leidvollem Weg. „Ihr seid..... wahrlich......ein Monster...“, röchelte der Sterbende, hustete Blut, während Wellen des Schmerzes seinen Körper erbeben liessen, „doch...... werdet ihr.........diesen Sieg....nicht auskosten..können.“ Ein zittriges Grinsen machte sich im Gesicht des Gottes breit, bevor es von einer Faust zertrümmert wurde, wobei Daxicus dabei seinem neu aufgekochten Zorn mit einem Schrei Ausdruck verlieh. Die jämmerlichen Überreste des Morpheus lösten sich langsam auf, wie Sand, der zwischen den Fingern verrann und der Krieger richtete seine Aufmerksamkeit auf den silbernen Baum, aus welchem er gleich seine beiden Schwerter zog, die sich zu seinem Erstaunen, von einem kühlen Wind getragen, augenblicklich auflösten. Er fuhr mit seinen Fingern über die raue Oberfläche des Baumes, spürte das Leben darin pulsieren und gleichzeitig überkam ihn eine seltsame, fast nostalgische Ruhe, welche so tief ging, dass sein gesamter Körper sich entspannte und ein innerer Frieden sich über den sonst so rastlosen Krieger legte. Daxicus legte sich in den Schatten des silbernen Baumes, dessen Trost spendende Wirkung Balsam für ihn war, und obwohl er wusste, dass dieser nun idyllische Ort nicht echt, nicht die Realität war, wünschte er sich, er könnte für die Ewigkeit hier rasten, hier, wo sein traumatisiertes Herz durch die wohltuende Stärke und Präsenz des silbernen Baumes zu rasten vermochte. Nicht einmal fragte sich der Krieger, wieso das Meer aus Blut in ihm das Gefühl von unbändigem Hass und fast leidenschaftlichem Stolz zugleich hervorrief, wieso es ihn zu Beginn beinahe wie die Strudel des Poseidon verschlungen und einige Augenblicke später gestärkt und einem Rachegeist gleich wieder geboren hatte.

Den Kopf gegen die Borke des Baumes gelehnt, schloss die einst ungebändigte, mörderische Scharlachrote Bestie mit einem wohligen Seufzer erschöpft die Augen, als würden ihr die Jahre des Mordens, des Kämpfens und dem Streben nach Rache erst in diesem Augenblick inneren Gleichgewichts bewusst werden. Daxicus’ Gedanken schweiften ab, wie sie es immer taten, als wären sie übermütige Schwalben und ruhige Momente der kommende Winter, der die Zugvögel dazu bringt, sich abzuwenden und zu neuen Gestaden aufzubrechen. Medamies schlanke Gestalt, ihr weisses Haar und die wachen und gefühlvollen Augen zogen durch den Geist des Kriegers, wie sie an der Reling des Schiffes stand und seiner Geschichte gelauscht hatte, wie sie sich bemüht hatte ihn beim Kampf gegen die Armee des Hades zu unterstützen, wie sie wie eine stolze Amazone über dem Abschaum von einem Kapitän getrohnt hatte, und Daxicus fühlte sich, zuerst nur zögerlich, dann aber immer stärker, darin bestätigt, dass er mehr in dem Mädchen sah und dass sie weitaus mehr war, als ein Ersatz für seine geliebte Anima. Ein wohliger Schauer versuchte den Körper des Kriegers zu durchdringen, doch antrainierte Reflexe und ein Funken Unverständnis, woher dieses Gefühl kommen mochte, verhinderte, dass Daxicus wirklich darauf einging. „Verzeih, Kalysto“, murmelte Daxicus undeutlich, da seine Glieder immer schwerer, seine Gedanken immer konfuser wurden. Er wollte verzeifelt noch nach dem letzten Gedankenfetzen greifen, der wie eine Feder durch seinen Kopf schwebte, bevor er sein Bewusstsein verlor, denn dieser Gedankenfetzen schien die Lösung, nein die Erlösung, von seinen widersprüchlichen Gefühlen zu sein, doch die Finger seines Geistes glitten schwach und taub am Rande des Gedankenfetzens ab. Daxicus tauchte in tiefere Ströme seines Bewusstseins ab, wohin er sich selbst nicht mehr folgen konnte.

Das Murmeln einer grossen Menge von Menschen. Grölen. Festtagsgerüche. Schreie von Verkäufern. Dunkelheit. Jemand ruft Laute in die Menge. Applaus. Schleifen einer Axt. Jubel. Verwirrung. Tumult. Ein schwarzer Schatten erhebt sich. Entsetzen. Die hallende Stimme eines Gottes. Apollo, der Jüngling mit dem Bogen. Eine weitere bekannte Stimme. Düster. Fordernd. Ismael?

Daxicus versuchte einen klaren Kopf zu bekommen, um das Geschehen zu erfassen, doch seine Sicht war zu verschwommen um mehr als Umrisse wahrzunehmen, doch mit Verblüffung und ehrlichem Respekt beobachtete der Krieger, wie der einstmals reine Mönch, nun in dunkler Kleidung und einer ebensolchen Präsenz, Medamie befreite und sich Daxicus zu wandte. „Gib mir mein Schwert!“, wollte der Schlächter Thebens verlangen, doch nur ein schwächliches Gurgeln und Röcheln entrang sich seiner ausgedörrten Kehle. Ein fast blendende Schmerz in seinen Armen zog sich über seine Schultern bis hoch in den Schädel, hatte Daxicus das Gefühl, und jeder Atemzug war eine Qual, als würde er geschmolzenes Feuer durch einen Schlauch eingeflösst bekommen. Jeder Versuch die aufkeimenden Nebel der Bewusstlosigkeit mit den Flammen der Wut zu vertreiben scheiterte und als Ismael das erste Schwert der Scharlachroten Bestie aus dem Stein zog, raste ein Insektenschwarm des Schmerzes durch jeden Finger in Daxicus linker Hand, vereinte sich zu einem peinigenden Schwarm und überwältigte seinen schon benebelten Verstand, dessen schützende Feuerwand aus Zorn dieser Belastung nicht standhalten konnte und so stürzte der Schmerz den Krieger ein weiteres Mal in die Dunkelheit des Vergessens.
Licht, eine kühle Brise und die liebliche Stimme Medamies holten Daxicus aus der bleiernen Schwere und Düsternis der tieferen Bewustlosigkeit, der sogleich versuchte, in die Augen seiner treuen Gefährtin zu blicken, doch noch immer war sein Blick verschleiert, getrübt wie das Wasser des Styx. Wieder drangen die Laute des Mädchens an sein Ohr, deren Bedeutung der Krieger aus tiefstem Herzen verstehen wollte, doch ein weitaus stärkerer, bedrängender Ton überlagerte stetig anwachsend alle anderen Geräusche, wurde so zwingend, bis Daxicus ihn als Melodie und dann als das Lied erkannte, welches Finsternis schon einmal für ihn gesungen hatte, damals, als er in einem Krater aus zerbrochenen Pflastersteinen gelegen hatte, verwundet und am Rande des Todes. Instinktiv schlossen sich seine Hände um die wunderbar kühlen Griffe seiner beiden geliebten Todbringer, deren Innerstes wie der Körper einer sehnsüchtig wartenden Geliebten erzitterte, die sich in die Arme ihres Gatten warf. Kühle, rote Schwaden leckten über Daxicus’ zerschundenen Körper, richteten was gebrochen und schlossen was aufgerissen war, brachten Linderung, wo die heisses Fieber den Körper ergriffen hatte und liessen dann mit einem ungehörten Seufzen von dem Krieger ab. Die Scharlachrote Bestie war wieder erwacht und im Olymp teilte ein gellender Schmerzensschrei die sonst so friedliche und heitere Stimmung, als Hypnos, der Gott des Schlafes, vom Schicksal seines Sohnes erfuhr, der sich auf ein riskantes Spiel mit dem Schlächter Thebens eingelassen und dabei alles verloren hatte. Daxicus richtete seinen Oberkörper auf und wollte gerade etwas sagen, als Medamies stürmische Umarmung ihn beinahe wieder zu Boden gedrückt hätte. „Tu das nie wieder“, nuschelte sie, den Kopf an seine Schulter gedrückt ein Schluchzen unterdrückend und der Krieger legte ein wenig irritiert, aber in seinem tiefsten Inneren eine unverhohlene Freude spürend, seine Hände auf den Rücken des Mädchens und fühlte nun, was er schon beobachtet hatte, nämlich dass dieses Mädchen zerbrechlicher war, als es wirkte. Für einige Momente genossen sie diese fast schon zärtliche Zweisamkeit, bis Medamie plötzlich zurückschreckte, als würde sie erst jetzt gewahr werden, was für eine tollkühne Geste sie gerade vollführt hatte und sich ein Hauch Violet auf ihre Wangen legte, während Daxicus zu seiner Überraschung tiefstes Bedauern fühlte, als sich der beruhigender Duft ihres Körpers von ihm weg entfernte. „Euer Wiedersehen würde mein Herz rühren, wenn wir nicht in einer eher prekären Situation wären“, erklang die spöttisch klingende Stimme des Mönches unter einem Baum hervor, von wo er sich löste und langsam auf den Krieger zu ging. Medamie errötete weiter, als sie Ismaels Worte vernahm und versuchte, einen grösseren Abstand zwischen sich und den Krieger zu bringen, doch ihre blauen Augen, gefüllt mit einem See aus Zuneigung und Bewunderung, fixierten immer wieder den Krieger, als könnte er die geheimsten Hoffnungen und Wünsche nur durch seine Nähe erfüllen. Daxicus richtete sich derweil auf, dehnte seine Glieder und taxierte dabei Ismaels neue Aufmachung, die ihn bedrohlicher wirken liess, als die feine, weisse Robe, die er zu beginn angehabt hatte. Im Kopf des Schlächters von Theben herrschte ein Chaos von Gedanken und Gefühlen, wobei der sonst so übermächtige Zorn sich schon beinahe verzweifelt Gehör verschaffen musste, denn die aufflackernde Liebe und das grosse Mass an Verwirrung überdeckten die sonst so klare Vorgehensweise, die den Krieger effektiv und tödlich machten. Daxicus schüttelte kurz sein Haupt, dann suchten seine Augen erneut die Gestalt des ehemaligen Mönches: „Ihr habt uns zur Flucht verholfen und meiner Rache neuen Auftrieb gegeben.“, Er streckte ihm den rechten Arm entgegen, „Danke.“ Ismael betrachtete die ausgestreckte Hand zuerst ungläubig, doch dann stahl sich ein Lächeln in sein Gesicht und er ergriff sie, wobei seine den Unterarm des Kriegers packte. Daxicus konnte beinahe spüren, wie zwei weitere Schicksalsfäden miteinander verwoben wurden und zusammen mit Medamies formte sich nun ein neues, gebündeltes Band, dessen Zähigkeit einige Versuche der Moiren ihn zu zerschneiden überstehen würde. Die Scharlachrote Bestie war alleine zu ihrem alles verschlingenden Rachefeldzug aufgebrochen, die Götter für ihren verachtungswürdigen Verrat zu bestrafen, hatte dabei stets nur die Nützlichkeit der Wesen, die ihm begegnet waren, als wertenden Massstab vor Augen gehabt und nun, nach seinem Ausbruch aus dem Hades, befand er sich in der seltsam angenehmen Gesellschaft eines Mädchens, für das der Krieger mehr empfand, als er sich eingestehen wollte, und eines Mönchs, den er nicht wirklich verstand, aber für seinen unerschrockenen Einsatz zu achten begann. „Was jetzt?“, fragte Medamie leise, die sich in diesem überschaubaren, von den umliegenden Plateaus perfekt einsehbaren Tal in keinster Weise wohl fühlte, war es doch ein perfekter Ort um die kleine Gruppe von überall her mit Pfeilen zu bespicken. Der Gedanke in diesem Tal wie in einem brodelnden Kessel auf den Tod warten zu müssen, liess die Assassine frösteln und beunruhigt suchte sie die höher gelegene Umgebung nach nach dem Aufblitzen von Pfeilspitzen ab. Daxicus teilte die Befürchtung seiner Gefährtin, denn wenn er sich richtig erinnerte, waren der Schönling Apollo und seine grazilen Jünglinge aufgetaucht, um ihn der Folter des Tartaros auszuliefern, was bedeutete, dass sie sich nun vor dem tückischen Sirren fliegender Pfeile in Acht nehmen mussten, wobei der Krieger nicht sicher war, ob sie diese überhaupt hören würden. „Wir müssen diese offene Fläche so schnell wie möglich hinter uns lassen“, beantwortete Daxicus Medamies beinahe geflüsterte Frage und wollte sogleich den weiteren Kurs angeben, als Ismael, irritiert von einem erst subtilen, dann anschwellenden Summen, eines seiner Schwerter fliessenden aus seiner Scheide zog und sich innerhalb eines Wimpernschlags vor dem Krieger und seinem Schützling befand, worauf es dreimal laut klirrte. Daxicus und Medamie wirbelten reflexartig beinahe zeitgleich herum und positionierten sich, ohne es absichtlich zu wollen, Rücken an Rücken, wobei Daxicus seine Schwerter zog und eine grimmige Mine aufsetzte, während Medamies Hände ins Leere griffen, da sie weder Kurzschwert noch Dolche auf sich trug, und ihr zuerst entschlossener Blick zuerst zu Panik wechselte, dann schwermütiger Erinnerung zeigte und zum Schluss tiefer Besorgnis wich.
„Ich wrde es bevorzugen, keine grosse Jagd veranstalten zu müssen, denn ich teile die Freude an dieser Art des Sportes nicht mit meiner Schwester Artemis“, erklang die überhebliche Stimme Apollos über den Köpfen der drei Menschen, die sich von einer klaren Überzahl Bogenschützen des Apollo, die sich auf den Kämmen und Plateaus der Berge, die das Tal eingrenzten, postiert hatten, jeder mit einem goldenen Pfeil auf der Sehne, dessen Spitze bedrohlich auf Medamie, Ismael und Daxicus gerichtet war. Der gefallene Engel machte einige vorsichtige Schritte zurück, stets darauf bedacht keinen der Bogenschützen aus den Augen zu lassen, und stellte sich Schulter an Schulter neben seine beiden Reisegefährten, während ihm unzählige Vorgehensweisen durch den Kopf gingen, eine tollkühner als die andere, doch keine befriedigend genug, um es zu wagen sie in die Tat umzusetzen. Seine Reise hatte, schon seit sie ihren Anfang in der kleinen Stadt genommen hatte, unter einem schlechten Omen gestanden, und nun, wo Ismael sich einer Schar der besten Bogenschützen eines griechischen Gottes, die auch noch den Höhenvorteil genossen, gegenübersah, schlich sich ein ihm unbekanntes Gefühl in seinen Verstand und liess ein zufriedenes, doch gleichzeitig grausames Lächeln auf seinem Gesicht erscheinen. Er konnte sich keinen besseren Ort vorstellen, wo er jetzt sein könnte. Daxicus verfluchte die Situation, in der sie sich nun befanden, während heisse Wogen der Wut begannen, seinen erst seit kurzem zur Ruhe gekommenen Verstand zu überfluten, alle Einwände von Ratio niederreissend und einen destruktiven Strudel erschaffend, der keinem anderen Gedanken als der totalen Auslöschung seiner Feinde Platz liess. Er schwor sich, dass seine geliebte Assassinin das letzte Wese war, das in diesem Tal fallen würde, wenn überhaupt. Medamie verspürte den dringenden Wunsch an einem völlig anderen Ort zu sein, obwohl die Tatsache, den grössten Krieger seiner Zeit an ihrer Seite zu haben, eine beruhigende Wirkung auf sie auswirkte, doch sie wäre sehr viel beruhigter und auch erfreuter, wenn sie sich zusammen mit Daxicus an einem völlig anderen Ort befunden hätte. Ihr Herz verursachte ein Trommelfeuer in ihrer Brust, dass so laut in ihren Ohren klang, dass sie befürchtete, ihr Geliebter könnte es hören, was Schamesröte in ihr Gesicht trieb, welche er hoffentlich als Vorfreude auf den Kampf interpretierte. Oh, was für eine dumme Gans sie doch war, in einer solche Situation ihren mädchenhaften Vorstellungen nachzugehen, wo sie doch kurz vor ihrem Tod stand, doch nichtsdestotrotz, oder vielleicht gerade deswegen, suchte eine ihrer Hände nach der warmen und rauen Haut des Kriegers, wie ein Schiffsbrüchiger hoffnungsvoll nach einer rettenden Holzplanke griff. Der anmutige Gott in der weissen Toga seufzte theatralisch, sah in den Himmel und dann fuhr seine rechte Hand durch sein lockiges, blondes Haar, während sein Blick sich wieder auf seine bedauerlichen Opfer legte. „Ich hege keinen Wunsch nach einem Blutbad“, erklärte Apollo, „wir können dies doch auch auf eine zivilisiertere Weise lösen. Legt eure Waffen nieder, schliesst eure Augen und ich verspreche, meine Bogenschützen werden saubere Schüsse auf den Nacken oder den Kopf abgeben, die zu einem schmerzlosen, sofortigen Tod führen.“ Ismaels Mund verzog sich zu einem spöttischen Grinsen, als er das verschlagene, warme Lächeln des Apollo sah und er zog geschmeidig auch sein zweites Schwert, wobei er auch seine Flügel nahe an den Körper zog, damit sie ein kleineres Ziel abgaben. Um sich selbst machte er sich im Grunde keine Sorgen, waren seine regenerativen Fähigkeiten doch überdurchschnittlich, sogar denen der Scharlachroten Bestie überlegen, doch sein verletzlicher Schützling machte ihm grössere Sorgen, da Medamie träge und zerbrechlich war und fast ärgerlich schnell tot sein würde, wenn der Pfeilhagel begann. „Mönch!“, hörte Ismael den Krieger zischen und er wandte seinen Kopf fast unmerklich in dessen Richtung um ihn besser zu hören, „Ich beschütze Medamie, da sie keine Waffen trägt. Kümmere dich um die feigen Bastarde!“ Ismael nickte, suchte mit den Augen die Positionen seiner Gegner ab, drückte dann seinen Rücken durch, wodurch er eine fast majestätische Haltung einnahm und lachte dann boshaft. „Dummer kleiner Gott, musst deine armseligen Sklaven für dich arbeiten lassen, um dich dann im Ruhm zu sonnen, der eigentlich ihnen gebührt“, spottete der gefallene Engel, was ihm die wütende Blicke der Schützen einbrachte. „Aber nur schon aus deiner jämmerlichen Gestalt hätte ich ja schliessen können, dass deine grösste Anstrengungen das Schwingen einer Pfauenfeder und der härteste Widerstand dem du je begegnet, der von altem Pergament sein muss.“
Greise glauben alles, Männer bezweifeln alles, Junge wissen alles.
- Oscar Wilde

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Kimor
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Re: Das Ende von Daxicus

Beitrag #2 von Kimor » 10.01.2017 20:39

Klimax

Apollos Gesichtszüge verfinsterten sich bei jedem Wort das sein geflügeltes Gegenüber sprach und er stellte erschrocken fest, wie eine Flut blinden Zorns in ihm aufwallte, die nicht natürlichen Ursprungs sein konnte. Daraufhin musterte der Gott beunruhigt sein Gefolge, welches von der gleichen Regung erfüllt, aber nicht fähig, sie, wie ihr Gott, in Zaum zu halten, seine Pfeile auf die Reise schickte und seine Schwerter zog, um sich mit einem Kampfschrei auf den Lippen auf die Feinde des Apollo zu stürzen. Ismael, selbst ein wenig überrascht vom überwältigenden Erfolg seiner Taktik, schoss selbst wie ein Pfeil auf den ersten Feind zu, passierte dabei fast spielerisch den gegnerischen Beschuss und schlitze ihm in einer eleganten Bewegung zugleich die Bauchdecke und den Hals auf. Der gefallene Engel liess ein irres, grausames Lachen erklingen, als eine Fontäne warmen Blutes sein Gesicht mit den diabolisch blickenden Augen besprenkelte und der aufgeschlitzte Bogenschütze versuchte mit verständnislosem Blick, seine Gedärme an ihrem Platz zu halten, jedoch vergebens, denn dessen geflügelter Feind trat ihm mit voller Wucht ins erbleichende Gesicht und erstickte damit den verlöschenden Lebensfunken. Während sein erstes Opfer leblos vom Kamm des Hügels stürzte, um mit einem grässlichen Knacken auf dem steinharten Boden aufzuprallen, stürzte sich Ismael mit weit ausgebreiteten Flügeln wie ein todbringender Bussard auf sein nächstes Opfer. Er würde jeden dieser mickrigen Frevler zerquetschen, die ihm wie ein Spiegel seines früheren selbst anmuteten, bis in den Tod loyal und dumm genug, auch noch für die Fehler ihres Gottes gerade zu stehen.

Daxicus hatte mit grimmiger Freude den Erfolg des Mönches verfolgt und sogleich, als er spürte, dass die Wut seiner Feinde zu überkochen begann, hatte er die Fähigkeit seines Schwertes Finsternis aktiviert und Medamie fest an seine Brust gepresst, um sie mit seinem Leib vor den Pfeilen abzuschirmen. Während sein Fleisch von den schmerzhaften Pfeilspitzen durchbohrt wurde und sich Schmerz wie ein Schleier um seinen Verstand legte, registrierte ein lebhafter und irrational fröhlicher Teil seines Selbst das heftige Klopfen von Medamies Herzen, die Wärme ihrer weichen Haut und den betörenden Duft, der von ihrem weissen Haar ausging. Ein weitaus rationalerer Teil fragte sich derweil leise, wieso sich keiner der heissen Brandherde des Schmerzens im Rücken des Kriegers gebildet hatte, konnte die Schärfe der Pfeile der Jünger des Apollo doch fast mit der des Gottes selbst konkurrieren. Aufgrund der Sorge um das geliebte Mädchen und den stechenden Wellen der Pein versank dieses Rätsel und seine wahrscheinlich für zukünftige Kämpfe aufschlussreiche Lösung für Daxicus in der Tiefe seines Unterbewusstseins. Als der spitze Metallhagel vorüber war, hob der Krieger seinen Kopf, der sich bleischwer anfühlte, und sondierte die Situation.

Medamie verstand nicht ganz, wieso Ismael ihre Gegner mit seinen Beleidigungen auch noch wütend machen musste, waren sie doch schon ohne wütend zu sein von tödlicher Effizienz, was sie bewiesen hatten, als sie den Geflügelten bei seiner spektakulären Flucht während des Fluges mit ihren Geschossen getroffen hatten. Sie hatte zwar mitbekommen, dass Daxicus dem gefallenen Engel etwas zugeflüstert hatte, doch das Trommelfeuer ihres Herzens und das Rauschen ihres von Adrenalin durchströmten Blutes hatten die Bedeutung der Worte verwischt, und ihre Angst zu sterben wuchs zu einem alptraumhaften Ungeheuer an, dass ihren gesamten Körper in seinen messerscharfen Krallen hatte. Sie sah schärfer, hörte klarer, roch besser und fühlte intensiver, als sie es in ihrem Leben jemals getan hatte und die gesamte Szenerie begann sich wie in Zeitlupe abzuspielen, als die Bogenschützen ihre Pfeile von den Bögen fliegen liessen, wobei Medamie den Eindruck hatte, einen vielstimmigen Chor zurückschnellender Sehnen vernehmen zu können. Dann spürte sie die rauen, schwieligen Hände des Kriegers, die sie zu ihm umdrehten und sie nahm seinen entschlossenen Blick wahr, erkannte die kleinen Fältchen an den Rändern seiner Augen, sah, wie sein Kiefer sich anspannte, während sein Fleisch mit einem für die Assassine pervers lauten Schmatzen, von den Spitzen der ersten Pfeile durchbohrt wurde. Dann engte sich ihr Blickfeld ein, ihr Gesicht wurde gegen Daxicus’ Brustpanzerung gedrückt, wo sie den kräftigen, moschusartigen Körpergeruch des Kriegers aufnahm, und ihre Finger, die der fein geschmiedeten und perfekt sitzenden Panzerung nachfuhren, fühlten die mächtigen, warmen Muskeln unter dem kalten Stahl, obwohl Medamie wusste, dass dies nicht möglich war. Die Wärme, die von ihrem Geliebten ausging, füllte ihren Körper wie ein prasselndes Lagerfeuer in einer kalten Winternacht, liess das Ungeheuer namens Angst zurückweichen und vor einem tief aus der Seele kommenden Wohlbefinden und einer überraschend eintretenden Ruhe in die Knie gehen. Plötzlich sprang die Zeit wieder in ihre normale Bahn und die Sinneseindrücke des Mädchens kehrten zu ihrer ursprünglichen Sensibilität zurück, wobei sie sich nun beinahe taub, blind und gefühllos zugleich fühlte.

Ein beispielloses Massaker spielte sich innerhalb der nächsten Minuten unter den Augen des Apollo ab, der mit seinem aufwallenden Entsetzen über seine närrischen Untergebenen und dem brodelnden Kampfeszorn, der das Werk seines Bruders Ares war, zu kämpfen hatte. Aus einem Reflex hatte er seine Bogenschützen, die sich wie wild gewordene Barbaren von ihren erhöhten Positionen auf den durchlöcherten und wankenden Krieger und das weisshaarige Mädchen stürzen wollten, davor bewahrt, wie reife Früchte auf dem harten Boden aufzuplatzen, doch nun musste er mitansehen, wie seine Gefolgschaft von Daxicus’ Schwertern, dessen Träger sich erstaunlich schnell von den unzähligen Pfeilwunden erholt hatte, aufgeschlitzt, von dem immer wieder herabstürzenden gefallenen Engel ihrer Gliedmassen beraubt oder von Medamie zuerst durch Nadeln ausser Gefecht und dann das Genick gebrochen bekamen. Die Schreie der fallenden Bogenschützen, die zuckenden Gliedmassen, der rote Lebenssaft, all das befleckte die Reinheit des sonst so friedlichen Tals, liess es wüst und korrumpiert erscheinen und der grausige Schrecken dieser Szenerie füllte den Verstand des Gottes der Medizin und der schönen Künste. Er war sich nicht gewohnt, die schreckenserfüllte Realität der Sterblichkeit in dieser Weise mitzuerleben und so verging einige Zeit, in welcher seine Getreuen wie die Fliegen wegstarben, bis Apollo sich fasste, seinen prächtig verzierten Bogen erscheinen liess und einen Pfeil auflegte, wobei er das gewitzt kämpfende Mädchen ins Visier nahm, da sie das leichteste Ziel abgab. Ismael, der sich der Gefahr, in welcher sein Schützling sich befand, sofort bewusst war, nutzte all seine Kraft, teilte einen seiner Feinde vertikal, und schoss in Sekundenbruchteilen auf den verhassten Gott zu, wo er ihm mit einem horizontalen Schlag den arroganten Kopf von den Schultern trennen wollte. Apollo warf sich instinktiv seitlich zu Boden, riss seinen Bogen herum und hatte nun Ismaels Brust vor seiner Pfeilspitze, die er sofort mit zehn seiner Geschosse perforierte, allesamt präzise und unfassbar schnell abgeschossen. Der gefallene Engel keuchte, sein schmerzverzerrtes Gesicht war ein deutliches Anzeichen, für die eindrückliche Wirkung göttlicher Pfeile, und die Wellen des Schmerzes liessen Ismael krachend neben Apollo zu Boden fallen. Der Engel schnappte keuchend nach Luft, die wohlgeformten Füsse des Apollo vor Augen, blanken Hass ins Gesicht geschrieben und obwohl die Pein, welche von seiner Brust aus ging, seine Sinne zu betäuben schien, trieb in das Verlangen nach göttlichem Blut an und er packte den Knöchel Apollos. „Du entkommst mir nicht“, knurrte Ismael grimmig und bekam als Antwort einen wuchtigen Tritt ins Gesicht, der ihn aufstöhnen liess. Apollo schüttelte den gefallenen Engel angewidert ab, er fühlte sich beschmutzt und in ihm keimte den Drang ein Bad zu nehmen auf. Er warf dem Engel einen vernichtenden Blick zu, dann erhob er sich und sondierte die Lage, deren Verlauf immer weniger seinem Willen folgte, sondern katastrophale Ausmasse annahm.

Der Grossteil seiner Anhänger lag in Blutlachen auf dem Boden, bildeten von der erhöhten Position aus gesehen ein grauenerregendes Gemälde, untermalt von disharmonischem Stöhnen, Keuchen, Schmerzensschreien. Dem entsetzten Gott war so, als könnte er die Bewegung des Blutes hören, wie es langsam aus den unzähligen Wunden der Bogenschützen drang, tröpfelte, rann und er wandte übersättigt von all dem menschenverachtenden Tod den Kopf ab. Derweil entledigten sich Daxicus und Medamie der restlichen Feinde, wobei der Krieger das Mädchen nach und nach immer mehr beschützen musste, da ihre Kräfte, eher für einen Hinterhalt und schnelles, gezieltes Töten ausgebildet, nachliessen. Sie schenkte ihm ein dankbares, erschöpftes Lächeln, das in diesem Gelage der exzessiven Gewalt und Auslöschung seltsam Fehl am Platz wirkte, seine Wirkung aber trotzdem nicht verfehlte. Die Scharlachrote Bestie, ihrem Namen alle Ehre machend, war über und über mit dem roten Lebenssaft seiner Feinde bespritzt und gerade dabei einem heranstürmenden Feind seine Klinge in den Wanst zu rammen, als er aus dem Augenwinkel etwas Goldenes, überirdisch Schnelles vorbeizischen sah. Er trat den Bogenschützen von seiner Klinge, drehte seinen Kopf ruckartig nach rechts und seine Augen weiteten sich vor Schrecken, als er entdeckte, welches Geschoss ihn passiert hatte. Der Krieger schritt langsam und immer noch perplex auf Medamie zu, deren überraschtes Gesicht sich ihrem Geliebten zu wandte, die plötzlich roten, klebrigen Hände um den Schaft eines Pfeils gelegt, dessen Spitze sich in ihren Bauch gebohrt hatte. Ihr Erstaunen wich langsam dem Entsetzen und Schmerz, während sie torkelnd versuchte, den Mann zu erreichen, dem sie überall hin folgen würde. Der Schmerz gewann mit jedem Schritt an Intensität, die Ränder ihres Blickfeldes verschwammen, einzelne Gestalten begannen Schlieren zu ziehen und doch kämpfte das Mädchen gegen die herannahende, unvermeidbare Bewusstlosigkeit an. „Mein....Herz“, lautlos formte ihr Mund diese Worte, während tausend Bilder durch ihren Verstand strömten, manche waren Erinnerungen, in welchen sie mit Daxicus zusammen war, andere Wunschträume, doch sie alle schienen ihr die letzten Augenblicke ihres Lebens noch versüssen zu wollen, schenkten ihr Momente, deren Besonderheit ihr Wärme gaben, obwohl ihr Körper langsam erkaltete. Nach einer Ewigkeit, so schien es ihr, erreichte sie ihren Beschützer, das einzige Wesen, in dessen Arme sie hätte sterben wollen, wenn sie es hätte aussuchen können. Sie tastete nach seinem Gesicht, wollte zum letzten Mal die rauhe Haut, die Bartstoppeln und die kräftigen Wangenknochen fühlen und verfluchte ihre Finger, die langsam begannen taub zu werden. „Lass... mich niemals...allein“, hauchte sie und obwohl einem Teil ihres Wesen klar war, dass sie nun von ihm gehen musste, rebellierte ein anderer Teil vehement, lehnte sich mit gerechtem, flammenden Zorn auf, inspiriert von Daxicus Sturheit niemals aufzugeben. „Ich werde nicht sterben! Ich WILL nicht sterben!! Er braucht mich!!!“, die Vehemenz dieser Worte, vor allem der Letzten, deren Wahrheitsgehalt in den Augen ihres Geliebten lag, durchschlug die resignierende Schale, die sich um Medamie gelegt hatte und liess sie gegen den eisigen Griff des grimmigen Sensenmannes mit erhobenem Haupt und von Zorn entflammt antreten.

Daxicus’ Welt erbebte, als das geschwächte und dem Tode nahe Mädchen in seine Arme fiel. Das sonst so lebendig wirkende Rot ihrer Haut wurde unansehnlich stumpf, die blauen Augen verloren ihre herrliche Jugend und Vitalität und beispiellose Wut, einem Feuerinferno gleich, entflammte in seiner Seele, doch erreichte niemals sein Herz, dessen Trauer und Schmerz das Fegefeuer des Zorns mit einem wegwerfenden Bewegung zum Verlöschen brachte. „Nein“, keuchte der Krieger und seine Furcht, Medamie zu verlieren, liess sie immer leichter werden, als verlöre sie spürbar mit jeder Sekunde einen Teil ihrer Lebenskraft, ihre Bewegungen erschienen ihm immer fahriger. Zittrig nahm er ihre Hand, die sich seinem Gesicht näherte, drückte sie sanft und stumme Tränen des Leids suchten sich ihren Weg über das vernarbte Gesicht der berüchtigten Scharlachroten Bestie. „Lass... mich niemals...allein“, die gehauchten Worte drangen wie Messerstiche in das Zentrum seiner Seele, wo noch nie eine andere Klinge gewesen war und der silberne Baum auf der Insel mitten im Meer des Zorns verwelkte, eine trauernde Serenade singend. Ein markerschütternder Schrei der Wut füllte das gesamte Tal aus, liess die Bäume ihre Blätter verlieren und den Wind inne halten. Der Krieger, in dessen Armen sein Lebensgrund dahinschwand, achtete nicht weiter darauf, denn Medamie war nur seinetwegen gestorben, wegen seines Krieges gegen die Götter, weil er sie nicht hatte beschützen können. Daxicus näherte sich langsam Medamies Gesicht, drückte seine Stirn gegen ihre und fühlte den kalten Schweiss, welcher den nahenden Tod begleitete. Das Tal verblasste zu einem Gemisch aus verbleichenden Farben und nur Medamie blieb echt, ihr Körper blieb messerscharf, und Daxcicus hörte eine liebliche Frauenstimme in die Serenade seines Herzens einstimmen, deren durchdringender Klang seine Menschlichkeit zu zerbrechen drohte. Verwirrt versuchte er die Quelle der zweiten Stimme auszumachen, die ihm so wirklich erschien und nicht zu seiner bröckelnden Innenwelt gehörte, und er fand sie in seinem Schwert. Finsternis schimmerte violett, kleine silberne Farbflecken zogen wie Sternschnuppen über ihre Klinge, welche Daxicus achtlos in die Erde gerammt hatte. Es schien als leide seine treue Kampfgefährtin mit ihrem gebrochenen Besitzer, trauere ebenso um den Verlust des Mädchens, als wäre es eine neugewonnene Tochter und der Schlächter von Theben spürte eine Verbundenheit, die über die Macht der Urgewalt hinaus ging. Rote Schwaden lösten sich von dem Schwert, leckten suchend über Daxicus’ Arm, schenkten ihm ein gehauchtes Mitgefühl, wie eine sanfte Brise, und schwebte dann über Medamies sterbenden Leib, der sich immer wieder schüttelte, als würde ein Teil davon mit aller Macht gegen einen unerwünschten Eindringling kämpfen. Was nun geschah erschien dem Krieger wie ein Wunder, ein herrliches, alles überragendes Wunder, denn Finsternis heilende Schwaden drangen in die Wunde des Pfeils ein und begannen sie zu schliessen. Mit einem Ruck brach Daxicus den Schaft ab und riss die Spitze heraus, damit die Wunde sich komplett schliessen konnte.

Ismael versuchte aus den Fängen der Benommenheit zu befreien, welche ihm der Tritt des Gottes eingebracht hatte und gleichzeitig die überwältigenden Schmerzen zu ignorieren, die seine durchlöcherte Brust in turmhohen Wellen an seinen Verstand sandte. Er wusste zwar, dass die Regeneration langsam einsetzen würde, doch er befürchtete, dass diese Pfeile keine normalen Wunden hinterlassen hatten, und nur mühsam gelang es ihm, sich auf seine Ellbogen aufzustützen. Er stellte grimmig zufrieden fest, dass eigentlich alle Lakaien des Schönlings nicht mehr unter den Lebenden weilten und dann hob er seinen Blick, um den Gott wieder ins Visier zu nehmen. Dieser Bastard hatte seinen Bogen schon wieder erhoben, doch dieses Mal konnte Ismael sich nicht schnell genug bewegen, um ihn aufzuhalten, und mit einem verzweifelten Aufschrei, denn der gefallene Engel hatte erkannt, was Apollo vorhatte, schwang er sein Schwert in einer ausladenden Bewegung und trennte den linken Fuss des Gottes von seinem Bein. Ein verdutzter Ausdruck ging über dessen Gesicht, dann kam der Schmerz, doch er liess seinen Pfeil trotzdem fliegen, dessen Genauigkeit hatte jedoch rapide abgenommen und, anstatt dass Medamies Herz durchbohrt wurde, schlug er in ihrem Bauch ein. Ismael erbebte vor Zorn und vor allem vor Schmerz, denn das Band zu Medamie erzitterte gepeinigt, und der gefallene Engel fühlte förmlich, wie sich ihre Lebensspanne urplötzlich immens verkürzt hatte. Ismael schrie all seine Wut, seine Existenzangst und seine Trauer hinaus. Dieser Aufschrei drang durch das einst so friedliche Tal wie ein geschliffenes Messer durch zartes Lammfleisch, erschütterte die Felswände in ihren Grundfesten und fegte wie ein Sturmwind über die Bäume. Vergessen war der Schmerz, vergessen die Benommenheit, die Welt erschien in nie dagewesener Klarheit, die Ursache für all den Schmerz, für all die Ungerechtigkeit, lag vor ihm, wandte sich keuchend und nach Luft japsend auf dem Boden und der Geflügelte kam mit all seiner Grausamkeit über den Gott, dessen schmerzverzerrte Augen zu panischer Angst wechselten, als ihm bewusst wurde, in welcher Gefahr er schwebte. Ismael packte den Gott am Schopf, riss ihn hoch ihn prügelte mit seiner Faust auf ihn ein, jeder Hieb mit voller Wucht geführt, angetrieben von dem Hass und dem Verlangen nach Vergeltung, für das ausgelöschte Leben eines unschuldigen Mädchens, seines Schützlings. Apollo versuchte sich zu Beginn zu wehren, doch jeder Treffer zerschmetterte seine Gegenwehr, bis er sich resignierend seinem Peiniger ergab, dessen Tortur noch lange nicht beendet war. Der gefallene Engel warf den Gott verächtlich von der Plattform, liess seine Schwerter in seinen Händen erscheinen und breitete majestätisch die Flügel aus. Die Wunden hatten sich geschlossen, seine Gestalt glich nun mehr dem erschreckenden Erscheinen eines Rachedämons, als dem eines ehemaligen Dieners des Lichts. Seine Aura strahlte Düsternis und tiefschwarzen Zorn aus, die Luft selbst erzitterte vor der Präsenz, die sich zu manifestieren begann, und ohne weitere Regung schoss er auf den fallenden Gott zu, spiesste ihn von unten mit seiner rechten Klinge auf und rammte ihn, wie ein Fleisch am Spiess, gegen eine steil abfallende Wand des Tales. Er drehte sein Schwert genüsslich im Uhrzeigersinn, wobei er Apollo an Ort und Stelle hielt, so dass die Klinge sich knirschend im Fels bewegte. „Wie fühlt es sich an, durchbohrt zu werden und völlig hilflos zu sein?“, fragte Ismael leise und hämisch, liess das Schwert los und spürte dann, wie ihn seine Kräfte zu verlassen begannen, da Medamie an der Schwelle des Todes stand. „Nicht jetzt, nicht bevor ich ihn..“, dachte er zerknirscht und wollte auch sein zweites Schwert in den Leib des Gottes rammen, doch er hatte nur schon Mühe sich in der Luft zu halten. Er drehte sich zu dem Mädchen um, sein Atem ging schleppend, auch bei ihm zeigten sich die Merkmale seines bevorstehenden Todes und er Wunsch bei Medamie zu sein wurde immer stärker. Er wollte ihre Seele geleiten, so weit es ihm möglich war, selbst wenn er dabei gegen die Mächte Gottes antreten musste. Mit fahriger werdenden Flügelschlägen manövrierte er sich in Medamies Richtung, sein Blickfeld begann dunkler zu werden und verzweifelt versuchte er seinen trägen Körper voran zu treiben. „Warte auf mich“, stöhnte er, eine Hand nach Medamie ausgestreckt, als könnte er die restliche Distanz durch seine Armlänge überwinden und nach dem zerbrechlichen Körper seines Schützlings greifen. Er fiel auf die Knie. Seine Beine versagten ihm ihren Dienst und er betrachtete das paradoxe Bild, welches sich ihm bot. Der mächtige Krieger, Bezwinger von Armeen und Monstern, besiegt und in die Knie gezwungen von einem schmächtigen Mädchen. Ismael lächelte müde und mit einer gewissen Melancholie. So würde es also enden, zu Fall gebracht von einem Poeten.

Plötzlich spürte der Geflügelte, wie die Kraft zurück kehrte, wie sich das Band zu seinem Schützling festigte und verwirrt verfolgte er, wie Medamie sich erhob, ebenfalls ein wenig überrascht blinzelte und dann von Daxicus stürmisch umarmt wurde. Wieso lebte sie noch? Was war geschehen? Die Fragen überschlugen sich, während Ismael sich erhob und ein Feuerwerk des Glücks und der Dankbarkeit in ihm startete, dessen überwältigende Wirkung sich im Glänzen seiner Augen und dem Zittern seiner Hände manifestierte. Medamie lebte! Er lebte! Aber auch Apollo lebte noch. Er drehte sich um, den Mund zu einem wölfischen Grinsen verzogen und stapfte auf den gepfählten Gott zu, der wegen seiner Unsterblichkeit noch nicht das Zeitliche gesegnet hatte. „Es wird Zeit zu beenden, was ich angefangen habe!“ Ismael lechzte nach Genugtuung und er flog wieder auf Apollo zu, der versucht hatte, sich selbst aus der Wand zu befreien, in dem er das Schwert hin und her bewegte, um es so zu lockern. „Nicht doch, mein Freund“, höhnte der Geflügelte und schob die Klinge seines Schwertes mit der Fussspitze tiefer in den Fels, „du willst doch die spektakuläre Hinrichtung, die heute so ausladend angepriesen wurde, nicht verpassen.“ Unter ihm kamen auch Daxicus und Medamie näher.
Das Mädchen hatte sich verändert, ihre Haltung war aufrechter, Stolz zeigte sich in ihren Zügen und Daxicus hatte seine Hand auf ihre Schulter gelegt, auch sein Blick sprach von ehrlicher Zuneigung und Freude, dass das Mädchen überlebt hatte. „Mein hochverehrtes Publikum, was sollen wir mit diesem Abschaum machen?“, erkundigte sich Ismael und mimte dabei den Marktschreier, der seine Ware anbot. „Bring ihn her, lass mich ihn töten!“, rief Medamie mit schneidender Stimme, was sowohl Daxicus als auch den fliegenden, gefallenen Engel erstaunte, doch dieser tat, wie ihm geheissen, riss sein Schwert aus dem Fels und liess den Gott vor Medamies Füsse fallen. Mit einem hässlichen Knacken schlug Apollo auf dem Boden auf, die Glieder sonderbar vom Körper abstehend, aber immer noch bei Bewusstsein und am Leben. Medamie ging mit entschlossenen Schritten auf ihn zu, ein Kurzschwert, welches sie einem der Bogenschützen abgenommen hatte, in der rechten Hand und die Augen voller Tötungsdrang. Sie würde diesem Bastard und auch ihrem Geliebten zeigen, dass sie aus härterem Holz geschnitten war, als alle dachten, obwohl sie sich immer noch wunderte, wie sie den tödlichen Pfeil überlebt hatte, zumal er von einem Gott stammte. Daxicus’ Blick folgte dem Mädchen bewundernd, sie hatte den Kampfgeist seiner Anima, doch ihm war nun völlig klar, dass sie niemals nur den Platz seiner Tochter einnehmen würde, sondern mehr für ihn war. Der Baum der Hoffnung strahlte in der ehemaligen Dunkelheit von Daxicus’ Seele, zeichnete Gemälde einer hoffnungsvollen Zukunft an die Innenwände und zum ersten Mal seit einer langen Zeit, fühlte Daxicus die berauschende Wirkung von unverfälschter, reiner Zuneigung in seiner Brust. Er nickte dem gefallenen Engel, einem weiteren Kampfgefährten, zu, der sich zu ihm gesellt hatte.
Ismael erkannte den Krieger nicht wieder, die Ausdrücke in dessen Augen waren völlig unberührt von Zorn oder Hass, er schien wirklich mehr für Medamie zu empfinden, als der Geflügelte jemals gedacht hätte. Medamie hatte sich nun vor dem geschundenen Apollo positioniert, packte ihn am Kragen seines Gewandes und stemmte ihn auf die Knie. „Du sollst büssen“, zischte sie ihm zu, hob ihr neues Schwert und mit einem Schrei rammte sie es ihm seitlich zwischen Kopf und Schulter in den Hals, was zu einer Fontäne aus goldenem Blut führte, welche aus der Wunde schoss. Medamie fühlte, wie grimmige Freude in ihr aufstieg und drehte gerade um, damit sie Daxicus ihr schönstes Lächeln zeigen konnte, als dieser und auch Ismael, mit beiden Schwertern in der Hand, an ihr vorbei schossen. Sie wirbelte erschrocken herum, um wich dann hastig zurück, denn nur eine Handbreite von ihr entfernt befand sich die immer noch in goldenem Blut getränkte Klingenspitze des Schwertes, welches sie selber benutzt hatte. Apollo hatte sich das Schwert in einem letzten Aufbäumen selber aus dem Hals gezogen und versucht es dem Mädchen in den Rücken zu rammen. Nun steckten vier Schwerter im Körper des Übeltäters, seine Augen zeigten einen Ausdruck blanken Entsetzens, gemischt mit reiner Verblüffung, und sein Körper erschlaffte vollends. Daxicus zog seine Klingen als Erster heraus, Finsternis glühte für kurze Zeit golden, und legte sie an seinen Rücken an, während Ismael es sich nicht nehmen liess, Apollos Kopf vom Rumpf zu trennen und unter seinen Fusssohlen zu zertreten. Medamie zitterte, denn ihr war klar geworden, dass sie ein weiteres Mal kurz vor dem Tod gestanden hatte und schmiegte sich dankbar an Daxicus’ Körper, der sie in den Arm nahm und ihr einen gehauchten Kuss auf den Kopf gab. Ismael vollführte eine ruckartige Bewegung, um das Blut seiner Feinde von den Klingen seiner Feinde zu entfernen und steckte sie dann zurück in ihre Scheiden. Er war besorgt, denn sie waren Apollo zwar nun los, aber hatten sich durch dessen Tod den Zorn des gesamten Olymp aufgeladen, und zwar auf die gesamte Gruppe. „Sieh mal nach, wie wir aus diesem Tal hinaus kommen“, bat der Krieger Ismael und dieser betrachtete den Sprecher zuerst eine Weile, da er immer noch nicht glauben konnte, dass die Scharlachrote Bestie sie nun als gleichwertig ansah, und nickte dann. Medamie löste sich derweil von ihrem Herz, da eine unbekannte Hitze in ihr aufgestiegen war, von der sie nicht wollte, dass der Krieger sie bemerkte. Trotzdem blieb sie in seiner Nähe und genoss eines seiner seltenen, aber immer öfter auftauchenden Lächeln, welches seine Gesichtszüge weicher und anziehender machten. In Daxicus verschaffte sich der kriegerische Teil wieder Gehör, denn es galt, aus diesem Hexenkessel, der sich schnell zu einer tödlichen Falle entwickeln konnte, zu entkommen. Er sah Ismael kommen, das Gesicht von Sorge gezeichnet und bevor er fragen konnte, wie ihre Situation aussah, erklang der gedehnte Klang eines Signalhorns, dessen Urheber Daxicus nur zu gut kannte. Medamie zuckte erschrocken zusammen, als sie den Ton vernahm, denn er war so unheilverkündend, dass ein Schauer durch ihren Körper ging. Er rief nach Krieg, nach Zerstörung und alle die ihn hörten zu den Waffen. Mussten sie noch mehr Schlachten schlagen? Würde es denn nie enden? Warum konnten die Götter nicht einsehen, dass sie ihrem Geliebten nicht gewachsen waren, dass niemand ihm gewachsen war? Sie presste ihre Lippen zusammen, da ihr die Antworten auf die Fragen eigentlich klar waren. Sie blickte in Daxicus’ nachdenkliches Gesicht und ertappte sich dabei, wie sie mit den Augen den Linien seiner unzähligen kleinen Narben nachfuhr. Daxicus fasste ihren Blick als Frage auf und er erklärte ihr, dass das die Hörner von Ares’ Armee waren, diese jedoch unmöglich in der Lage wäre, das gesamte Tal zu umstellen, sie also immer noch ohne Kampf entkommen konnten. Ismael landete neben ihnen, sein Blick ruhte zuerst auf Medamie. Sie war geschickt und gewandt, doch ihre engstirnigen Entscheide, wenn es um den Krieger ging, würden sie nur noch weiter in Gefahr bringen, vor allem in ihrer derzeitigen Situation. Er schüttelte leicht den Kopf uns sagte: „Da sind unzählige Feuer um das Tal herum und wo keine Feuer sind, konnte ich das blasse Glühen untoter Krieger erkennen. Ausserdem waren da noch..“ Ein gewaltiges Röhren erklang aus der Umgebung, gefolgt von zwei weiteren Wesen, die in diesen Ruf einfielen und Daxicus zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Die Legion des Hades ist also auch hier“, grummelte er, denn nun konnten sie nicht mehr von diesem Ort fliehen, sie waren Gefangene der Götter und mussten ausharren, bis diese ihren Zug machten. Ismael nickte und legte beruhigend seine Hand auf Medamies Schulter, deren Gesicht tiefste Sorge und auch Angst ausdrückte, denn anders als ihre Beschützer, stand sie diesem vereinten Heer völlig hilflos gegenüber. „Kannst du Medamie von hier wegbringen?“, richtete Daxicus seine Frage an den Geflügelten, der ihn lange betrachtete, bevor er erwiderte: „Natürlich.“ „Nein!“, rief die Assassinin entsetzt, „Ich werde hier bei Daxicus bleiben und...und... und.. ihm helfen!“ Um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, brachte sie so viel Abstand zwischen sich und Ismael, wie es nur ging, ohne Daxicus Nähe zu verlassen. Der Krieger lächelte, stolz auf Medamies Reaktion, doch dann verblasste sein Lächeln und er hob Medamies Kinn, so dass sie ihn ansah. „Hör mir zu“, flüsterte er ihr sanft zu, „ich habe dich heute schon einmal fast verloren und es hat mir das Herz gebrochen. Ein weiteres Mal halte ich diesen Schmerz nicht aus.“ Medamies Augen füllten sich mit Tränen, Tränen der Trauer und des Trotzes. „Wieso?! Wieso tust du das?! Wieso rettest du mein Leben und verscheuchst mich dann, wenn ich deines retten könnte?! Lass mich bei dir bleiben!“, schrie sie den Krieger an und begann zu schluchzen, während sie sich an Daxicus klammerte. Ismael schüttelte nur bedauernd den Kopf. Er hatte gewusst, dass dieser Moment kommen würde, bei dem destruktiven Pfad, den der Krieger beschritt, war es nur natürlich, dass er so lange alleine gereist war. Nun wo er Reisegefährten hatte, zog der Strudel zerstörerischer Energie, der Daxicus darzustellen schien, auch diese in Mitleidschaft. Doch die Wunden, die er diesem Mädchen zugefügt hatte, waren schlimmer als jegliche Zerstörungen des Schlächters von Theben oder der Scharlachroten Bestie, und Ismael warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, der dieser mit einem Kopfschütteln quittierte. Wieder hauchte Daxicus Medamie einen Kuss auf den Kopf, dann schob er sie von sich weg und legte seine Hand an ihre Wange. „Ich werde dich niemals vergessen, selbst wenn ich in den dunkelsten Tiefen des Tartarus angekettet werden sollte“, versprach er ihr und erhob sich dann zu seiner vollen Grösse. Medamie folgte ihm mit den Augen, der Körper zuckte noch immer wegen der Schluchzer, doch sie begann, sich zusammenzureissen, und die Sicherheit, das ihr Krieger zu ihr zurückkehren oder sie ihn finden würde, in ihrem Herzen aufzubewahren. „Auch ich werde dich niemals vergessen und dich finden“, erwiderte sie sein Versprechen mit fester, zu allem entschlossener Stimme, was ihm ein weiteres Lächeln entlockte. Ismael legte seine beiden Hände trostspendend auf Meamies Schultern und tauschte mit Daxicus einen wissenden Blick aus. Ihnen beiden war klar, dass selbst er eine Schlacht gegen eine solche Übermacht verlieren würde, und so nickten sie sich zum Abschied nur zu. „Gib auf sie acht“, murmelte der Krieger, während er zusah, wie Ismael mit weit ausgebreiteten Schwingen das Mädchen aus dem Tal brachte, und mit ihm ein Teil von Daxicus Seele davon zog. Niemals würde er sich wieder so glücklich fühlen, wie zu dem Moment, wo er die wieder zum Leben erwachte Medamie umarmt, ihren Herzschlag gefühlt, ihren betörenden Duft gerochen und ihre liebliche Stimme vernommen hatte. Eine Schlacht wartete nun auf ihn, wahrscheinlich die Letzte, doch er war ruhig, keinerlei Aufregung, nicht einmal Vorfreude, sondern nur gelassene Entschlossenheit so viele Feinde wie möglich mit in den Tod zu reissen und so wenig wie möglich von ihm selbst übrig zu lassen, damit Götter des Olymp kein weiteres Mal ihre Macht in einem pompösen Spektakel zelebrieren konnten.

Die gesamte Nacht lauschte der Krieger, wartete auf ein Angriffssignal, harrte aus, um das Getrampel unzähliger Füsse und das Röhren der Minotauren zu hören, doch die Stille der Nacht wurde nicht gestört und so legte er sich unter einen Baum, der ihm so wundervoll bekannt vorkam und sein rastloses Gemüt noch weiter zu beruhigen schien.
Im Olymp war auch eine Stille eingetreten, die jedoch nicht friedlicher Natur war, sondern von immenser Trauer stammte, denn Zeus weinte um seinen Sohn Apollo. Er trauerte die gesamte Nacht, liess die Sterne ihre hellen Gewänder verdunkeln, während die anderen Götter ihn mieden, da sein Gemütszustand blitzschnell in rasende Wut umschlagen konnte. Sie besprachen, was zu tun sei, denn durch den Tod eines hohen Olympiers war ihre Weltvorstellung erschüttert worden. Während Daxicus sich Ruhe gönnte, flogen Ismael und Medamie lautlos über die feindlichen Armeen, wo die Assassinin erst richtig begriff, in welcher katastrophalen Gefahr sie sich befunden hätte, wenn sie bei ihrem Geliebten geblieben wäre, denn unter ihr reihten sich Zelte an Zelte und Feuer an Feuer, wie ein riesiger Glühwürmchenteppich und ihre Sorge um das Schicksal des Kriegers wuchs mit jedem Meter, den sie über dem gewaltigen Heer hinter sich brachten. Sie hob ihren Kopf, um ihren Beschützer anzublicken und erschrak, als sie keinen Funken Zuversicht in dessen Blick erkannte, sondern er seinen sogar von ihr abwandte. Ranken des Zweifels schnürten sich um ihre Brust, das Atmen fiel ihr schwerer und sie malte sich die grausamen Bestrafungen aus, welche die Götter an Daxicus durchführen würden. Wieder kamen Tränen in ihr hoch und sie begann sich in Ismaels Griff zu winden. „Bring mich zurück!“, forderte sie aufgebracht und mit tränenerstickter Stimme, doch der Geflügelte verstärkte als Antwort nur seinen Griff und beschleunigte. Ihm zerriss es das Herz, dass das Mädchen dieses Leid durchleben musste und obwohl seine Schwerter ihn diesbezüglich hätten empfindungslos machen sollen, spürte er durch das Band den seelischen Schmerz seines Schützlings. „Lass mich runter! Ich muss, er braucht mich! Wir können ihn doch nicht alleine lassen!“ Medamie begann hysterisch zu schreien und Ismael wusste, dass sie nicht aufhören würde, solange sie in der Luft waren, weswegen er einen geschützten Ort suchte und sich dorthin begab. Sobald sie gelandet waren, entwand sich die Assassinin aus seinem Griff und stürmte kopflos in die Richtung, wo sie Daxicus vermutete. Ismael seufzte verärgert, denn langsam begann sie ihn nerven, und holte sie innerhalb weniger Augenblicke ein. „Wem wäre geholfen, wenn du zu ihm eilst?!“, knurrte er Medamie wütend an, wobei er sie gnadenlos am Arm packte. „Ich... Du könntest ihm beistehen!“, antwortete sie ebenso wütend und versuchte sich aus dem schmerzhaften Griff zu befreien, „Bring ihn ebenso wie mich hierher! So können wir fliehen!“ Ismael betrachtete das Mädchen entsetzt und schüttelte dann energisch den Kopf. Was dachte sie eigentlich? Dass die Armee ihr Hauptziel einfach ziehen lassen würde? Dass die Götter nicht merkten, wenn Daxicus über den Köpfen ihrer Soldaten hinweg floh? „Er wird nicht fliehen und ihr auch nicht“, erklang eine melodiöse Stimme hinter dem gefallenen Engel, worauf sich dieser kampfbereit herumdrehte, Medamie an sich drückend und ein Schwert gezogen. „DU!“, rief Ismael überrascht aus und sein gesamter Körper begann vor Wut zu beben. „Ja, mein kleiner Hampelmann, deine Bettgespielin kehrt zu dir zurück“, spottete Aphrodite und ihre Augen blitzten verächtlich. Es brodelte in Ismaels, die gesamte Wut und Verzweiflung wallte in ihm auf, das Biest, welchem er seine Odysse zu verdanken hatte, stand nun vor ihm und praktischerweise hatte sie weder Wächter noch sonstigen Schutz dabei. „Dein Tod heisst Ismael!“, brüllte der Geflügelte und preschte mit gezogenen Schwertern auf die Göttin der Liebe zu. Diese streckte ihm mit einer ruckartigen Bewegung ihre Handfläche entgegen, worauf ein Sturmböe den Angriff des gefallenen Engels stoppte und Medamie nach hinten katapultierte, wo sie sich wuchtig den Kopf anschlug und regungslos liegen blieb.
„Na na na, behandelt man so die Mutter seines Kindes“, sagte Aphrodite tadelnd und streichelte mit den Händen ihren Bauch, der schon eine kleine Wölbung vermuten liess. Ismael fiel aus allen Wolken, sein Erstaunen war nicht in Worte zufassen und er liess beide Schwerter zeitgleich fallen. „M..mei....mein“, stammelte er, die Augen weit aufgerissen und auf den Bauch der Göttin gerichtet. Der brennende Hass stiess auf die beruhigende Wirkung der Vaterliebe und verlor den ungleichen Kampf haushoch. Niemals hätte Ismael gedacht, dass er ein Kind haben würde, es war auch undenkbar, schliesslich war er stets ein Engel gewesen! Nein, nicht immer, korrigierte er sich selbst, Gott hatte ihm zu Beginn seiner Reise alle Eigenschaften eines Menschen gegeben und dadurch war es ihm möglich geworden, ein Kind zu zeugen. „Ist es nicht schändlich?“, unterbrach Aphrodite die Gedankengänge ihres Gegenüber und verzog dabei angewidert ihre Mine. „Eine Göttin des Olymp, geschwängert von einem schwächlichen Mann mit lächerlichen Flügeln.“ Ismael dachte er höre nicht recht, wieder wuchs Hass und Zorn in ihm, denn dieses Weibsstück wagte es, sein Kind in den Schmutz zu ziehen. „Ich fühle mich so beschmutzt, so unglaublich gedemütigt. Dein schändliches Gör wird in mir heranwachsen und dann die Welt besudeln“, fuhr sie mit ihrer Tirade der Beschimpfung fort. „Schweig!“, donnerte Ismael, „hör sofort auf, mein ungeborenes Kind zu beleidigen!“ „Oder was?“, spottete Aphrodite gehässig, „Wirst du mich dann töten?“ Sie lachte glockenklar und dieses Lachen schnitt in Ismaels Herz, denn er konnte ihr wirklich nichts antun, ohne sein eigen Fleisch und Blut zu verletzen. Er liess resigniert die Schultern hängen. „So ist es recht. Nun habe ich dich in der Hand. Wenn du ab sofort nicht tust, was ich sage, wird dein geliebter Spross niemals das Licht der Welt erblicken“, sprach Aphrodite und ihre gesamte Haltung strahlte Überheblichkeit aus und es wurde deutlich, dass sie es genoss, den Geflügelten mit ihren Worten zu geisseln. „Als erstes kümmerst du dich um das Mädchen. Ich will, dass du ihm sein Herz herausreisst, damit wir Daxicus ihren geschändeten Leichnam präsentieren können.“ Ismael zuckte unter diesem Befehl zusammen, als wäre er ein Peitschenhieb. Sein gesamtes Sein basierte auf dem Band, welches er zu Medamie gespannt hatte, und gleichzeitig war dieses Kind der einzige Nachwuchs, der jemals über die Erde wandeln würde. Schmerzerfüllt wandte er sich der bewusstlosen Assassinin zu und haderte mit sich selbst und seinem Schicksal. Wieso, Gott? Warum lässt du solches Leid zu? Welchen Nutzen hat dieser Wahnsinn? Ismael brach in Tränen aus, denn die Schwere dieser Entscheidung fühlte sich schwerer als die Welt an und er wünschte sich, er hätte diese Reise niemals angetreten. „Los! Reiss ihr das Herz heraus! Zeige mir, wie sehr du dein Kind liebst!“, hauchte Aphrodite ihm zärtlich und doch boshaft in sein Ohr. Ismael hob seine Schwerter, wankte, gefolgt von Aphrodite, auf Medamie zu und kniete sich mit stossbereiten Klingen vor sie hin. „Stoss zu!“, kreischte die Göttin und der gefallene Engel tat wie ihm befohlen. „Verzeiht mir, Medamie und Daxicus“, wisperte er, Bilder der beiden Gefährten blitzten durch seinen Geist und dann drangen seine Klingen in ihr Ziel ein, durchbohrten Fleisch und liessen Aphrodite lauthals Schreien. Es war ein Schrei des Entsetzens und der Überraschung, denn der Hampelmann hatte nicht das Mädchen, sondern sich selbst aufgespiesst und nun erstrahlte er in einem brennend klaren Licht, dessen Weisspektrum Aphrodite völlig neu war und in ihre Augen stach. Vor der perplexen Göttin erschienen zwei Gestalten, eine in weiss, die andere in schwarz, doch beiden mit den selben Konturen, beide unverkennbar Ismael. „Wie?“, keuchte sie, doch sie erhielt keine Antwort, sondern nur zwei Versprechen.

„Blut von meinem Blut“, sprach der weisse Ismael sanft und mit unverhohlener Freude in der Stimme, „ich werde dich geleiten und unterstützen. Ein liebevoller Vater sein, so weit es mir möglich ist.“
„Blut von meinem Blut“, grollte der schwarze Ismael mit wuterfüllten Augen, „ich werde dich schützen und nicht zulassen, dass deine Mutter dir etwas antun kann. Ein beschützender Vater sein, so weit es mir möglich ist.“

Aphrodite taumelte, als beide Ismaels in ihren Bauch eindrangen, der eine wie ein warmer Sonnenstrahl, Vorbote eines einsetzenden Frühlings, der andere wie eine reissende Messerklinge, Warnung an jeden unvorsichtigen Feind. Krämpfe schüttelten die Göttin und Schwäche zwang sie, sich hinzusetzen, eine Schwäche, die von ihrem ungeborenen Kind kam. Sie kniff die Augen zusammen, weil sich nun auch noch Schmerz dazugesellte, als die himmlisch christliche Magie auf die altgriechisch göttliche traf. Suchend glitten ihre Hände über den Boden, weitere Wellen der Pein liessen ihren Körper zusammen zucken, und sie ertastete einen spitze Stein, den sie packte. „Stirb, du Bastard, ich will dich nicht!“, kreischte sie und versuchte die Spitze des Steins in ihren Bauch zu bohren, doch nur schon der Gedanke daran liess einen schwarzen Bogen reiner Energie aus ihrem Unterleib schiessen, der sich mit mörderischer Geschwindigkeit in ihren Verstand brannte und höllische Qualen verursachte. „Blut von meinem Blut“, erklang eine ätherische Stimme und Aphrodite stöhnte entsetzt auf, da ihr klar wurde, dass sie diese verhasste Brut austragen musste. Ohne Medamie eines Blickes zu würdigen verliess die Göttin der Liebe den Ort ihrer schmählichen Niederlage und kehrte zum Olymp zurück. Die Assassinin hingegen war mit einer solchen Wucht gegen den Boden geknallt, dass ihr Kurzzeitgedächtnis darunter litt und nur ihrem Unterbewusstsein die Geschehnisse in Erinnerung blieben. Als sie erwachte, spürte sie als erstes den kühlenden Wind um ihren schmerzend brummenden Schädel und hatte Mühe sich zu orientieren. Was war geschehen? Wieso lag sie mit dröhnendem Kopf auf dem Boden? Wo waren Daxicus und Ismael? Sie versuchte sich zu erheben, doch aufkommender Schwindel und Übelkeit zwangen sie, liegen zu bleiben.

Und so harrte die Assassinin aus, bis sie sich wieder besser fühlte, nichts von all dem ahnend, was ihrem geliebten Krieger wiederfahren würde, dessen Schlacht noch bevor stand. Sie machte sich verwirrt, einsam und mit einem schweren Kopf auf den Weg ins Ungewisse, fühlte sich von allen im Stich gelassen und konnte doch nicht aufhören, an ihr Herz zu denken, welches irgendwo auf sie warten würde, daran glaubte sie mit fester Überzeugung.
Greise glauben alles, Männer bezweifeln alles, Junge wissen alles.
- Oscar Wilde

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Kimor
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Re: Das Ende von Daxicus

Beitrag #3 von Kimor » 10.01.2017 20:39

Ausklang

Daxicus erwachte unter dem Donnern und Röhren einer aufbruchbereiten Armee, welches die Erde erbeben liess. Helios hatte die Sonne noch nicht auf ihre Bahn gebracht und so hielt die trügerische Dämmerung die Welt in ihrem sanften, heilversprechenden Griff. Ein kurzer Anflug von Sorge um seine geliebte Medamie flackerte auf, doch Kampfbereitschaft und Vorsicht verschlangen dieses Gefühl und angespannt bewegte sich der Krieger auf die Mitte des Tales zu, wo ,unter Umständen die ihm nicht bekannt waren, ein brennendes Landhaus erschienen war. Er hielt entsetzt die Luft an, als er dieses lebendige Mahnmal seiner blutbesudelten Vergangenheit erkannte, die Luft wurde träge, flüssig, und beinahe unmöglich zu atmen, seine Haut fühlte die kälter werdende Haut seiner Tochter und er schloss die Augen, um sich dem Ungeheuer, welches er selbst war, nicht stellen zu müssen. „Nein“, keuchte er und schüttelte den Kopf, um die Visionen abzuwerfen, doch noch immer spürte er die Hitze des brennenden Landhauses, seines Zuhauses, hörte die gequälten Schreie seiner Familie und sein Verstand drohte unter der seelischen Pein zu zerspringen. Er blinzelte, als ein Hitzeschwall seine Brust streifte und verfolgte hilflos, wie das Gebäude wie ein Kartenhaus zusammenstürzte und mit ihm, alles was dem Krieger einmal wichtig gewesen war. Die brennenden Trümmer schienen ihn zu verhöhnen, erschienen ihm wie der Spiegel seiner Seele, zerbrochen und nur noch durch das Feuer der Wut belebt. Die gesamte Atmosphäre hatte sich gegen Daxicus gewandt, spottete über sein Leid und dann vereinten sich die einzelnen Brandherde des gefallenen Landsitzes zu einem flammenden Wirbel, welcher die Konturen eines waffenstarrenden Mannes in einer glänzenden Rüstung formte, dessen vernarbtes Gesicht, gnadenlose Augen und muskulöser Körper ihn als Ares, den Gott des Krieges auswiesen. Sein haupt steckte in einem majestätischen Helm, dessen T-förmiger Sehschlitz die stechenden Augen, die Hakennase und einen Teil des schmallippigen Mundes sichtbar liessen. Der bronzenfarbene Brustharnisch lag wie eine zweite Haut am Körper, die Schulterplatten erlaubten dem Gott maximale Bewegungsfreiheit und zugleich auch Schutz, die Hände steckten in filigran geschmiedeten, dunkelgrauen Handschuhen, deren Rücken über und über mit zackigen Spitzen übersäht war. Ein Waffenrock und bronzene Stiefel rundeten die kriegerische Aufmachung ab, deren angsteinflössende Wirkung auf normale Sterbliche beachtlich war. „Sieh, was du übrig lässt, egal wohin du gehst. Nur Tod und Zerstörung“, sprach er, nicht ohne ein wenig Stolz in der Stimme, die Hände über die Szenerie ausgebreitet doch funkelten seine Augen wütend. „Ihr habt mich so geschaffen!“, grollte Daxicus, dessen Zorn durch die Anwesenheit eines Gottes aufgebrochen war und die Trauer und das Entsetzen zermalmt hatte. Er zog seine Schwerter und preschte auf die verhasste Gestalt zu, Finsternis zehrte sogleich von der immensen Wut, zuckte jedoch zurück, denn dessen Sturmfeuer grub sich schmerzhaft in sie hinein, forderte die Urgewalt der Finsternis mit Gewalt, als wäre auch sie ein Feind der Scharlachroten Bestie. Doch obwohl die Klinge genötigt wurde, ihre Kräfte freizugeben, kämpfte sie nicht dagegen an, labte sich eher in masochistischer Freude daran und ein leiser Gesang des Glücks und des Kampfrausches erklang, nur für die Ohren der Scharlachroten Bestie und der Götter zu hören. Ares feixte, als er den schwächlichen Sterblichen auf sich zu stürmen sah, zog selbst sein Schwert, eine mit roten Runen verzierte, tiefschwarze Klinge, mit einem Griff aus feinstem Stahl, perfekt an die Bedürfnisse ihres Führers angepasst. Klirrend prallten die Schwerter aufeinander, Finsternis glühte golden, Tods feiner, alles zerfressender Nebel schimmerte silbern und Ares’ Schwert pulsierte noch schwärzer, als seine Klinge sowieso schon war. „Der Schüler trifft auf den Meister“, spottete Ares und drückte den Krieger beinahe spielend leicht von sich weg, dessen Füsse bohrten sich dabei in den Boden und er kam nach einigen Metern zum Stehen.

Daxicus lächelte grimmig, sein grausamer Kampfeswille war von neuem erwacht, in seiner alten Stärke fegte er wie ein alles vernichtender Taifun die erstarkenden Gefühle eines Mannes zu einem Mädchen weg und füllte ihn mit der heissen Flut vulkanartigen Zorns. Daxicus brüllte zornentbrannt, seine Muskeln schwollen gefährlich stark an, liessen ihn wie eine hirnlose Bestie wirken und seine Augen füllten sich unnachgiebiger Rache, dem Willen, alles in seinem Weg zu vernichten, ohne Reue, ohne Gnade, ohne mit der Wimper zu zucken. Wie eine abgefeuerte Balliste schoss Daxicus auf den Gott des Kriegers zu, dessen Überraschung über diese Schnelligkeit in seinem Gesicht geschrieben stand, und dieses Mal stöhnten beide Schneiden auf, als sie aufeinander prallten, ein schrilles Kreischen erklang, und dann schlug die Scharlachrote Bestie die Klinge seines Feinde zur Seite, führte einen Stich mit Tod aus und verfehlte Ares’ Körper knapp, der sich seinerseits zur Seite abdrehte, diese Drehung nutzte und aus einer geduckten Haltung von unten nach oben zuzustechen. Daxicus parierte diesen Schlag mit Finsternis und stach erneut mit Tod nach dem erneut ausweichenden Gott, der nun in eine Angriffsserie überging. Dem Sterblichen gelang es, den grössten Teil ohne Schaden zu parieren oder ihm auszuweichen, doch er trug einige leichte Schnittverletzungen an den Oberarmen und im Gesicht davon. Er knurrte verärgert und deckte den Gott mit einer Folge wuchtig ausgeführter Hiebe ein, die er unter den grössten Kraftanstrengungen blockte, jedoch einen mächtigen Tritt der Scharlachroten Bestie einstecken musste, welcher ihn einige Meter durch die Luft beförderte, wo er, zu seinem eigenen erstaunen, von Finsternis durchbohrt, und wieder zurück zu ihrem Absender gezogen wurde. Brennender Schmerz ging von der Wunde aus, denn die Klinge, welche einst Ares’ bestem Kommandanten gehört hatte, labte sich am schimmernden Blut des Gottes und erstrahlte golden, bis Ares sich wieder bei Daxicus befand, welcher ihm auch die zweite Klinge in den Leib rammen wollte. Doch Ares fing den Schlag ab und drosch seinem Gegner die Faust ins Gesicht, wo ein hässliches Knacken das Brechen der Nase begleitete, und befreite sich von Finsternis schwächendem Biss, worauf er sofort nach dem Schlächter von Theben schlug. Dieser hatte vor Schmerz die Augen geschlossen, als seine Nase brach und schaffte es in letzter Sekunde dem Hieb auszuweichen, in dem er sich darunter duckte und fügte dem Gott des Krieges einige Treffer an den Beinen zu, bevor dieser zurück sprang. Schwer atmend umkreisten sich die beiden ebenbürtigen Gegner, der eine, göttlich und vor Wut über die Unverfrorenheit seines Gegenüber schäumend, der andere sterblich, und vor Zorn und Kampfesrausch völlig aufgesogen im Kampfgeschehen und in seiner Tötungswut. Ares musste das Gewicht seines Körpers umverteilen, da eines seiner Beine schmerzte, wenn er es belastete, doch da er den Vorteil der Unsterblichkeit auf seiner Seite hatte und daher wusste, dass sich die Wunden bald schliessen würden, war ein primäres Ziel nun, Abstand zu wahren. Daxicus spürte, wie warmes Blut über sein Gesicht lief, die kleineren Schnitte, die ihm sein Gegner zugefügt hatte, waren nicht der Rede wert, doch die gebrochene Nase konnte sich zu einem Nachteil entwickeln, denn dieser Schmerz und vor allem das Blut begannen ihm die Sicht zu trüben. Gleichzeitig wagte er es nicht, sich zu Heilung zu verschaffen, da er dabei für einen Moment ohne Deckung sein würde und verfluchte sich selbst für seine Unbesonnenheit, als er Finsternis geschleudert und den Gott dann mit Tod hatte aufspiessen wollen. Wie zwei lauernde Raubkatzen vollführten sie Kreise, jede Bewegung im Auge behalten, die Nerven zum Zerreissen angespannt, jeder nicht gewillt, seinem Gegner den Vorteil der Überraschung zu schenken. Die ersten Strahlen der erwachenden Lebensspenderin waren ein unsichtbares Startsignal, denn sobald sie in Daxicus Auge fielen und ihn die Augen zukneifen liessen, schoss Ares auf den Geblendeten zu, bereit ihm die gesamte Brust aufzuschlitzen und Daxicus rettete sich durch eine gewagte Drehung, wodurch er den Hieb blockte und mit welcher er sich nahe an den perplexen und träge reagierenden Ares heranbrachte, dem er den Stiel seiner zweiten Klinge als Rache mit aller Kraft ebenfalls auf die Nase schmettere, die in einer Fontäne aus Blut zerbarst, sogleich nutze der Krieger die Gunst der Stunde, stiess den Gott ein wenig von sich und vollführte stakkatoartige Stichbewegungen auf dessen Brust, zu deren eine Lücke sich nun weitere gesellten. Ares stöhnte entsetzt auf, riss sich aber zusammen, um bei Bewusstsein zu bleiben und nutzte die Lücke, die durch das ungestüme Vorgehen seines Gegners entstand, um diesem seine Klinge von Schräg oben in die Schulter zu rammen, wo sie Fleisch und Knochen wie Butter durchtrennte und sich genüsslich festbiss. Ein schmerzhaftes Brüllen entrang sich Daxicus Kehle, Kristalle des Schmerzens bohrten von seiner Schulter aus in seinen Schädel und er verpasste dem Gott noch einen heftigen Tritt, bevor er von Schmerz überwältigt auf die Knie ging. Das rote Schimmern, welches von der Urgewalt stammte, flackerte kurz auf, dann verschwand es und der kühlende Hauch der Heilung leckte über den zerschundenen Körper des Kriegers. Doch Ares reagierte prompt, stürmte auf den geschwächten Gegner zu und gab ihm, aufgrund der Tatsache, dass seine Arme durch die durchbohrte Brust fast nutzlos schwach waren, seine knochenzerberstenden Stiefelsohle zu fressen. Aus purem Instinkt hob Daxicus noch seinen linken Arm und fing damit die Attacke ab, welche ihn nach hinten katapultierte, seinen Unterarm an unzähligen Stellen mehrmals brach und seinen Schädel hörbar knacken liess, obwohl dieser vom direkten Treffer geschützt worden war. Blitzende Funken zuckten über sein Sichtfeld, die Welt schien wie von einem verrückten Maler gezeichnet und er hatte Mühe, sich zu orientieren, doch er fühlte, wie etwas seinen Arm packte und ihn hoch hob. „Sieh an, sieh an“, schnurrte eine Stimme kalt wie Eis und rauh wie Schmirgelpapier, „wenn das nicht mein Lieblingsgefangner Daxicus ist.“ Der Krieger blickte verwirrt auf die dunkle Gestalt, welche ihn schmerzhaft gepackt hatte und sein aufgebrachtes Blut gefror zu Eis, denn es war Hades, der unbarmherzige Gott der Unterwelt, dessen Gewand eine einzige Komposition des Grauens war. Sein Gesicht war von einem gehörnten Helm, dessen Augen feuerrot brannten, bedeckt, dunkle Schwaden, wie aus dem Tartaros selbst, glitten darunter hervor und liessen jeden Gegner hoffen, dass er seinen Helm niemals abnahm. Seine Schulterpanzerung waren aus den Zähnen seines geliebten Cerberus gefertigt, eingehüllt in russgeschwärzten Ketten, von denen einige beinahe obszön herunterhingen. Auch Hades trug eine Brustpanzerung, doch diente sie ihm eher als Prunk, denn als Schutz, bestand sie doch aus feinstem Ebenholz, mit den Stationen des Tartarus darauf eingraviert, und auch sein Waffenrock, Leder aus der Haut schändlicher Sterblicher, diente mehr als Zier, so wie der zierliche Gürtel aus Gold, seiner Gattin gewidmet. Seine Füsse steckten in leichten, kunstvoll verarbeiteten Lederstiefeln mit Fransen aus Menschenhaar daran, welche ihm bis zu den Knien reichten. Seine Handschuhe, die auch die Unterarme panzerten, waren wiederum aus gehärtetem Metall, jedes Fingerglied mit Stacheln bewehrt, die Unterarme mit den Höllenqualen seiner Feinde verziert und um die Handgelenke hing jeweils ein stilisierter, silberner Cerberuskopf. An den Handschuhen waren jeweils zwei Klingen befestigt, die sich auf der Höhe des Unterarms befanden. Bei jedem Wort glühten die furchteinflössenden Augen auf, als Hades sich an Ares wandte: „Gute gemacht. Nun kannst du gehen, deine Arbeit hier ist getan.“ Ares erhob sich noch ein wenig schwankend, doch mit unverhohlener Wut in den Augen und ebenso verzerrtem Gesicht, die Hand fest um seinen Schwertknauf gelegt und brüllte seine Empörung heraus: „Er ist mein! Ich habe ihn besiegt! Lass mich mit ihm abrechnen, dann sehen wir, ob noch genug übrig ist, um ihn in den Hades zu schicken!“ „Überspanne den Bogen nicht!“, grollte der Gott des Todes, seine Erscheinung wurde finstere, „Dein Vater mag übersehen haben, dass du deinen Bruder in den Tod geschickt hast, aber ich nicht!“ Ares blinzelte ertappt und wich dem Blick seines Onkels kurz aus, doch dann fixierte er ihn wieder mit festem Blick und die beiden fuhren ihren Disput fort, während Daxicus sich masslos darüber ärgerte, dass sie ihn wie Vieh behandelten. Der Schock über Hades Auftauchen hatte sich vor der aufziehenden Zornesfront verzogen, die Hochöfen grausamen Hasses und Wut initiierten ihre destruktive Arbeit, worauf Finsternis freudig erregt reagierte und, von den verstrittenen Göttern unbemerkt, begann den Körper ihres Besitzers zu heilen. Doch Daxicus verharrte regungslos, wäre er doch zu schnell ein Opfer seiner Feinde geworden, wenn er ungestüm und kopflos vorgegangen wäre, und so wartete er wie ein Skorpion ab, um gnadenlos zuzustechen, wenn sich ihm die Möglichkeit bot. Sie kam, als Hades wutentbrannt auf den jungen leichtsinnigen Ares einsprach und ihm die Wichtigkeit von Hierarchien aufzeigte, denn in diesem Augenblick, war er vollkommen auf den Kriegsgott fokussiert. Blitzschnell zog Daxicus nach oben, warf Tod auf die Stelle zwischen Hades’ Brustpanzerung und Helm und schlitzte ihm gleichzeitig den Unterarm der Hand auf, welche seinen Fuss gepackt hatte. Der überraschte Gott heulte vor Schmerzen auf, liess den Sterblichen los und versuchte, die todbringende Klinge in seinem Hals heraus zu ziehen, doch deren Besitzer, welcher sich nun erfrischt auf seinen eigenen beiden Füssen am Boden befand, riss Tod durch die Ketten zur Seite und schlitzte Hades so die Kehle auf. Er wirbelte herum, die gesamte Macht der Urgewalt in seinem Körper vereinigt, die Augen vor grausamen Irrsinn weit aufgerissen, der Mund zu einem menschenverachtenden Grinsen verzogen, und fing den schwächlichen Angriff des Kriegsgottes beinahe spielerisch mit einer Hand ab. Innerhalb eines Wimpernschlags durchtrennte Daxicus Haut, Sehnen und Knochen der Schwerthand mit Tods Klinge und machte Ares so zu einem einhändigen Krüppel, worauf er ihm den Ellbogen brutal in die Kehle rammte. Spuckend und Husten versuchte der Gott aus der Reichweite des zerstörerischen Schlächters zu kommen, doch gnadenlos zog dieser ihn wieder heran, trieb ihm Tod mehrere Male in die Brust und liess ihn seine Faust schmecken. Wieder riss Daxicus den verzweifelt fliehenden Kriegsgott mittels der klirrenden Ketten zu sich heran, hob blitzschnell die Hand, welche das finstere Schwert des Ares umklammert hielt und rammte es seinem ehemaligen Besitzer und den weit aufgerissenen Mund. Er lachte irr, als er den torkelnden Ares sah, der wirkte, als ob er sich bei einem Versuch, sein Schwert zu schlucken, auf üble Weise vertan hatte.

Plötzlich packte etwas seine Schultern, liess den Krieger herumwirbeln und krachend verpasste ihm der wiedererstarkte Hades einen Haken, worauf Daxicus, ein wenig benommen von der Heftigkeit de Schlages, durch die Luft geschleudert wurde. Der Gott des Todes setzte sofort nach, packte Daxicus in der Luft an der Gurgel und drosch so gewaltig auf das Gesicht des Kriegers ein, dass er kurz das Bewusstsein verlor und wie ein Komet in eine Felswand raste, wobei er einen bröckelnden Krater hinterliess. Eine beruhigende Kühle entriss ihn den sanften Fängen der Bewusstlosigkeit und er wich um Haaresbreite einem weiteren Faustschlag des Herrschers der Unterwelt aus, worauf er ihm mit der Stirn wuchtig gegen den Helm schlug, was den Gott zurücktaumeln liess und Daxicus Zeit gab, sich aus seinem Krater zu befreien, in dem er sich von der Wand abstiess und Tod zwischen Hades Rippen rammte. In einer tödlichen Umarmung umschlungen, wobei der zornige Gott immer wieder auf Daxicus einschlug, fielen sie durch die Luft pfeifend zu Boden, wo sich beim markerschütternden Aufprall Tods alles zersetzende Klinge bis zum Schaft in Hades Körper rammte. Mit einem Siegesschrei zog er die Klinge heraus, langte nach Finsternis und wollte beide triumphierend in die Brust des Hades stossen, doch dieser schaffte es, seine Unterarme mit seinen Händen zu blockieren und rang nun mit der Scharlachroten Bestie. Es war ein Kräftemessen sondergleichen, Daxicus’ Fegefeuer des Zorns trieb seine Muskeln zum äussersten, verlangte ihnen mehr ab, als sie zu leisten bereit waren und so näherten sich die Klingenspitzen Millimeter um Millimeter der Brust seines schwer atmenden Gegners. Hades keuchte, mehr und mehr der grauen Schwaden drangen unter dem Helm hervor, die feuerroten Augen leuchteten immer stärker, fast verzweifelt, und dann berührten seine Hände die Ketten, welche Daxicus für ewig an seine Zeit im Tartarus erinnern sollten, und sie begannen sich wahnsinnig schnell zu erhitzen, bis sie leuchtend Orange glühten, als wären sie frisch aus der Schmiede gekommen. Der Krieger schreite gellend, der Gestank verbrannten Fleisches begann die Luft zu verpesten, der Druck auf den Gott schwand auf einen Schlag und dieser entriss seinem Feind die Kontrolle, in dem er in eine Kombination aus Schlag in den Magen und Kinnhaken verpasste. Daxicus liess gequält seine Schwerter los, rollte sich unbeholfen ab, wobei jede Berührung seiner Unterarme mit dem Boden neue Wellen des Schmerzes seinen Verstand überwältigen liessen, doch er biss die Zähne zusammen, erhob sich schwankend und schaffte es, den nächsten Hieb seines Gegners mit der offenen Rechten abzufangen. Er griff mit der linken nach Hades’ Arm, bekam aber nur den Cerberuskopf-Anhänger zu fassen, da ihm Hades den Arm entzog und einen schwungvollen Treffer an Daxicus’ Schläfe landete. Sterne blitzten vor dessen Gesicht auf, als er über den Boden schlitterte und krampfhaft versuchte, seinen Gegner wieder ins Visier zu nehmen. Seltsamerweise spürte er eine neue Präsenz, ähnlich der seines Schwertes Finsternis, die sich in seinen dröhnenden Schädel schlich, wobei sie versuchte, im Strudel seines niemals abschwächenden Zorns nach seiner Seele zu schnappen, doch brutal von den Flammen zerfetzt und ausgelöscht wurde. Ein elektrisierendes Gefühl ging von seiner linken Hand aus, die er staunend öffnete, denn der Cerberuskopf-Anhänger hatte sich mit einem Glied seiner Kette verbunden und der hundeähnliche Kopf schien erwartungsvoll zu glimmen. Daxicus blieb keine Zeit, dieses Phänomen näher zu untersuchen, denn ein weiteres Mal schoss der Gott der Unterwelt auf ihn zu, hob ihn an seinem Schädel hoch und schrie entsetzt auf, als Daxicus seinen Magenschwinger mit der linken Hand abfing und dabei finstere, nachtblaue Funken zischend zu sprühen begannen. „Nein, mein Caestus“, keuchte Hades und Daxicus war so, als könne er Angst in dessen Stimme hören, was ihm besondere Genugtuung gab und ein Anflug von Überheblichkeit in ihm aufstieg, dessen Kraft sich sogleich bündelte und von einer, dem Krieger völlig unbekannten, Macht angezapft wurde. Die Ketten begannen, sich schrill quietschend um den Unterarm zu drehen, verflüssigten sich ohne heiss zu werden unter den verblüfften Blicken des Schlächters von Theben und plötzlich bildete sich ein metallen schimmernder Caestus um seine linke Hand, wuchs rankenartig an seinem Unterarm entlang, wo sich dann eine bedrohliche Form abzuzeichnen begann. Innerhalb einiger Sekunden war der Kopf des Cerberus an Daxicus linkem Unterarm erschienen, der Oberkiefer lag eng am verlängerten Handrücken, dessen Zähne kreuzten sich mit denen des Unterkiefers, der sich auf der anderen Seite es Unterarmes befand. Die spitzen Ohren waren angelegt, die unheilvoll blutrot schimmernden Augen erinnerten an Smaragde, die Zähne an Elfenbein, doch sonst glich der gesamte Cerberuskopf dem Rest des Caestus, nur einige Stellen waren wie abgeschabt und darunter kam eine schwarze, hautähnliche Struktur zum Vorschein. Daxicus fackelte nicht lange, denn er spürte eine immense, rohe Kraft, die in seinem linken Arm schlummerte und nutzte diese neue Ausrüstung, auch wenn ihm noch schleierhaft war, woher sie kam. Er drückte Hades Faust zusammen, bis dieser sie gepeinigt zurückzog, worauf Daxicus ihm die linke Faust, normalerweise nicht sein Favorit, in den Magen grub. Überrascht stellte er fest, dass sich seiner gepanzerten Faust fast keinen nennenswerten Widerstand bot, als wäre Hades eine Strohpuppe und der Krieger grinste diabolisch, als er den schmerzvollen Ausdruck im Gesicht des Gottes der Unterwelt erblickte, der sich nach dem Schwinger krümmte und Blut spuckte. „Nettes kleines Spielzeug“, feixte die Scharlachrote Bestie und drehte dabei den Caestus bewundernd hin und her, packte dann jedoch den Kopf seines Gegners mit der rechten Hand und verpasste ihm einen zweiten Schlag in den Magen. Noch nie hatte er sich so mächtig gefühlt, so berauscht vom Adrenalin und dem überwältigenden Gefühl der Überlegenheit gegenüber einem Gott, und er wusste, dass er sich nun an den Göttern des Olymp für ihren feigen Verrat rächen konnte, ohne die Büchse der Pandora anwenden zu müssen. Er drehte den sich windenden Hades mit der Fussspitze herum, entriss ihm auch den zweiten, seiner wertvollen Cerberuskopf-Anhänger und befestigte in an den Ketten seines rechten Armes, wo sich sogleich das Selbe abspielte, wie zuvor. Er hob seine beiden Schwerter hoch, deren lautstarken Protest in Fäustlingen der Götter geführt zu werden, ihn ein wenig erstaunte, doch er brachte sie einfach in die Nähe seines Rückens, wo sie sich beruhigt fest machten. Anscheinend, so folgerte er, vertragen sich die Handschuhe des Hades nicht mit meinen Schwertern, vielleicht, weil diese meinen Hass auf die Götter absorbiert und sich mir angepasst haben. Er runzelte die Stirn über solchen Individualismus von Schwertern, doch dann spürte er einen Luftzug und sah eine verschwimmende Bewegung aus den Augenwinkeln, was ihn seine Arme hochreissen liess. Normalerweise wären diese durch einen so gewaltigen Hieb nun durchschnitten worden, denn Ares hatte die gesamte Kraft, welche sein linker Arm aufbringen konnte, in diesen Schwung gelegt, doch durch den Schutz der göttlichen Armschützer, fühlte es sich für Daxicus nur wie ein dumpfer Schlag mit einer Keule an, welcher ihn einige Meter nach hinten fliegen und sich in der Luft überschlagen liess. „Du feiger Götterbastard, warum stirbst du nicht endlich!“, knurrte er, jagte auf den verwundeten Ares zu, liess dessen Klinge an seinem linken Caestus abgleiten und donnerte ihm mit dem Rechten einen Schlag ins Gesicht, den Ares sofort zu Boden gehen liess. Die Scharlachrote Bestie betrachtete die beiden erbärmlichen Götter, deren Unsterblichkeit ihnen nun mehr zur Qual, als zum Vorteil wurde, und sein Herz fühlte grimmige Genugtuung, doch noch kein Ende des Rachedurstes, denn dieser konnte nur mit göttlichem Blut oder vielleicht auch gar nicht mehr gestillt werden, war der Krieger doch schon beinahe zu lange auf dem destruktiven, selbstzerrstörerischen Pfad der Blutrache gewandelt. Er stapfte zum bewusstlosen Kriegsgott, ergriff dessen Schwert und fuhr dann herum, denn Hades hatte sich wieder gefasst und erhoben. „Dann lösche ich dich als ersten aus“, sprach der Krieger hasserfüllt, näherte sich dem Gott, dessen verzweifelte Angriffe viel zu durchschaubar waren, wich einem geraden Schlag aus und trennte mit einem erbarmungslosen Hieb den Arm vom Körper ab. Hades heulte auf, graue Schwaden dampften aus seinem Helm, die Augen strahlten nun bösartig und er versuchte seinen Feind zu packen, doch auch hier entging Daxicus seinem Gegner und ein weiterer Schnitt liess den Gott der Unterwelt ohne Arme auf die Knie sinken, wo ihm der Krieger die tiefschwarze Klinge in die rechte Brust rammte. Hades gab einen erstickten Laut von sich und kippte dann langsam zur Seite, wo ihn Daxicus an den Hörnern seines Helms packte, hochhob und ihn mit einem finsteren Blick voller über Jahre angeschwemmten Zorn anstarrte. „Ihr habt mich zu lange gequält, zu lange gewartet, bis ihr mich vernichten wolltet! Nun erkennt, was ihr über euch gebracht habt: Tod und Zerstörung, Leid und Grausamkeit! So wie ihr mein Heim zerstört habt, so werde ich eures dem Erdboden gleich machen!“ Er brüllte diese Worte, schleuderte sie nicht nur Hades, sondern allen Göttern des Olymp entgegen. Sie waren Versprechen und Drohung, Anklage und Richterspruch zugleich, und obwohl seine gesamte Existenz darauf brannte, jedem Olympier den Kopf abzureissen, war sich ein kleiner Teil nicht sicher, ob es doch einen anderen Weg gab, einen Weg ohne ewiges Kämpfen, Morden und Zerstören, einen Weg der ihn mit dem Mädchen zusammenbrachte, dass er liebte, doch der jahrzehntelange Schmerz verlangte in diesem Augenblick so übermächtig nach Vergeltung, dass dieses kleine Stimmchen der Vernunft und offenen Denkens, ohne zu zögern von den Fluten des Zorns verschlungen wurde. Daxicus hob seinen rechten Arm, zielte auf die linke Brust seines Opfers, um ihm das Herz herauszureissen, denn mit Hilfe einer göttlichen Waffe war es ihm nun möglich, jeden Olympier zu stürzen und dem gesamten Pack den Gar auszumachen.

„Vater?“ Die glockenhelle Stimme durchbrach den rauhen und dicken Panzer aus Wut und Hass, der die Scharlachrote Bestie zu dem machte, was sie war, liess den Feuersturm aus Zorn verrauchen und stürzte sie in ein Meer aus Schuld und Verzweiflung. Daxicus liess den zerschundenen Körper seines Feindes los, der mit einem dumpfen Aufprall zu Boden ging, und drehte sich, voller freudiger Erwartung und tiefreichender Angst zur Quelle der Stimme, die ihn Vater genannt hatte, die er überall erkennen würde, der er sein gesamtes Leben gewidmet hatte, seine Seele. Er erblickte seine geliebte Anima, das Gesicht immer noch gleich voller jugendlichem Übermut und doch schöner, als er es in Erinnerung hatte, das mädchenhafte, weisse Kleid liess sie von innen erstrahlen und ihre Augen versprachen dem müden, vernarbten Kriegerherz selige Ruhe und vor allem tiefen Frieden. „A.A..Anima?“, stammelte er, seine Haltung grundlegend verändert, wie ein Junge, dessen Kuscheldecke nach tagelanger Suche wieder aufgetaucht war, und er machte vorsichtig einige Schritte auf das Mädchen zu , immer in der Angst, dass sie einfach verschwand. Sie stand in den Trümmern des Landhauses, wie ein junger Spross in den verbrannten Überresten eines Waldes, die Augen glänzten vor Freude, ihre Mundwinkel zu einem glückseligen Lächeln erhoben. „Vater, endlich bist du zurück! Mutter und ich warten schon ewig auf deine Ankunft, du musst mir alles erzählen was du erlebt hast, von all den Schlachten und Kämpfen berichten“, begann das Mädchen zu plappern und eine innere Zufriedenheit und Ruhe trat in den rastlosen Blick des Schlächters von Theben, der nun seinerseits zu lächeln begann. Plötzlich erstarrte er, blankes Entsetzen und panische Angst ergriffen wie eisige Klauen sein Herz, denn der Göttervater selbst tauchte urplötzlich hinter Anima auf, eine Schwertklinge an ihre Kehle haltend, den Blick aber auf Daxicus gerichtet. Dahingefegt waren Ruhe und innerer Frieden, kochender Zorn stiegen in ihm auf, seine Augen brannten vor Mordeslust, die Fäuste waren bereit, sich unbarmherzig in Zeus’ Gesicht zu rammen, doch hilflos verharrte er an Ort und Stelle, Verzweiflung gesellte sich zur Hitze dazu, gefolgt von überwältigender Sorge und Angst um die Gesundheit seiner Anima. „Es wäre nur gerecht, deine Tochter für immer auszulöschen, da du mir meinen Sohn genommen hast“, grollte Zeus, seine schneeweissen Augen blitzten rachsüchtig, und er brachte die Klinge noch näher an die Lebensader des stumm bleibenden Mädchens. „Tu es und im nächsten Augenblick wirst du ebenso zugrunde gehen, wie dein Sohn Apollo, dein Bruder oder Ares!“, knurrte Daxicus. „Das ist der Grund weshalb ich mich zurück halte“, erklärte Zeus, entliess das Mädchen aus der Gefahr, aber nicht aus seinem Griff, „denn es würde nur dazu führen, dass mein Stammbaum weiter ausgelöscht wird.“ Er seufzte und Daxicus runzelte verständnislos die Stirn, denn dem Göttervater bot sich die einmalige Gelegenheit die Tochter des Kriegers ein für alle mal auszulöschen und das gleiche dann an ihm durchzuführen, doch anscheinend war dem nicht so. „Hör mir zu“, fuhr Zeus fort und die Scharlachrote Bestie, immer noch ein wenig besorgt, dass seine Tochter zu Schaden kommen könnte, hörte ihm zu, „dir zu vergeben liegt nicht in meiner Macht, doch ich kann das Problem aus dem Weg schaffen, ohne dich töten zu müssen. Du entscheidest. Möchtest du den Rest deines Lebens mit deiner Tochter verbringen?“ Daxicus’ Welt brach zusammen, er starrte nur ungläubig, während sein Verstand versuchte, den Ozean widersprüchlicher und sich gegenseitig bekämpfender Gefühle zu ordnen, denn ein Teil wollte mit Anima zusammen sein, um jeden Preis, ein anderer vertrat den Standpunkt, dass seiner Rache an den Göttern so nicht genüge getan würde, und ein weiterer warf ein, dass die Liebe zu Medamie nicht einfach so verdrängt werden dürfe. All die angesammelte Wut, der Selbsthass, die Schuldgefühle, die Verzweiflung und die aufkeimende Liebe, sie alle rangen um die Vorherrschaft, doch dann obsiegte die Hoffnung, dass der Tochtermörder seine Sühne nur bekam, wenn seine Tochter ihm verzieh, und dafür musste er mit ihr zusammen sein, ihr die Tage zurückgeben, die er gewaltsam genommen hatte. Daxicus nickte, ein Kloss hatte sich in seinem Hals gebildet, denn die Aussicht, sein restliches Leben mit seiner Tochter zu verbringen, machte ihn nervös und verursachte gleichzeitig ein wohliges Gefühl in seinem Magen, welches ihn an überschäumende Freude erinnerte. „Du wirst aber nur mit ihr zusammen sein, deine Frau kann ich dir nicht zurückgeben, nur deine Tochter und noch werden sie oder du älter werden.“, erläuterte Zeus, wobei sein Blick unnachgiebig auf dem Sterblichen lag, dessen Hand einen seiner Söhne ganz und den anderen fast getötet hätte. „Wird sie sich erinnern?“, fragte Daxicus heiser, er spürte Tränen des Glücks in ihm aufsteigen, vorbei waren die Zeiten der Einsamkeit und der Rachegelüste, doch obschon all sein Streben mit seiner Zeit bei Anima ein Ende finden würde, verspürte Daxicus doch einen Stich in seinem Herzen und Medamies liebliches Lächeln erschien vor ihm. „Sie wird keinerlei Erinnerung haben, sondern denken, du seiest in einer Schlacht gewesen und nun zurückgekehrt. Bist du also gewillt, alles irdische loszulassen und dich mit Anima auf eurem Landsitz bis ans Ende deiner Tage aufzuhalten?“ Wieder spürte der Krieger diesen Stich in seinem Herzen, doch die Sehnsucht nach seiner Tochter überwog alle Bedenken und doch hakte er noch einmal ein wenig argwöhnisch nach, schliesslich hatten die Olymper ihn schon einige Male hinters Licht geführt: „Werde ich bei Anima in den eulysischen Feldern weilen?“ Zeus reagierte zuerst nicht, starrte den Sterblichen nur an, dann nickte er bedächtig und Daxicus stimmte dem Handel zu. „So soll es sein“, donnerte die Stimme des Göttervaters, die Wolken zogen sich zusammen, verdichteten sich und plötzlich spürte Daxicus, wie er immer müder und die Glieder schwerer wurden, die Umgebung verschwamm, sein Körper verliess die Kraft und etwas Weiches, Seidenartiges berührte seine Haut und legte sich über den einschlafenden Krieger.

„Er wird ewig weiterschlafen?“, erkundigte sich Zeus bei Hypnos, der grimmig nickte und auf den zugedeckten Körper der Scharlachroten Bestie blickte. „Die Decke meines Sohnes Morpheus wird ihm die Träume verschaffen, die du ihm versprochen hast, ihm aber keinerlei Einlass in die eulysischen Felder gewähren“, erläuterte der Gott des Schlafes und Zeus zorniger Blick richtete sich auf seinen erbittersten Feind, der nun zu seinen Füssen schlief. „Wieso tötest du ihn nicht?“, beschwerte sich Ares, dessen Körper langsam wieder seinem alten Selbst glich, doch immer noch Kampfspuren trug. Hynos kam dem Göttervater mit seiner Erklärung zuvor: „Die Decke lässt ihn schlafen, doch er nimmt seine Umgebung immer noch wahr, wenn auch unbewusst. Wenn du versuchst ihn zu töten, wird er erwachen und merken, dass wir ihn erneut hintergangen haben. Dann können wir seinen Zorn nie wieder besänftigen, nicht einmal, wenn wir mit der Auslöschung seiner gesamten Familie drohen.“ Zeus nickte nur bestätigend und blickte nachdenklich gen Himmel. Sie waren den Schlächter von Theben endlich los, doch der Preis, den sie dafür hatten zahlen müssen, war zu hoch gewesen und hätte sich erheblich verringern lassen, wenn sie nicht so dermassen arrogant gewesen wären. „Was wird aus ihm?“, hakte Ares nach, dessen leidenschaftliche Art nicht mit der Tatsache zurecht kam, dass er keine Hand an den Mörder seines Sohnes legen konnte. „Wir werden seinen Körper in einem unterirdischen Gewölbe, von zahlreichen Fallen und Soldaten bewacht, lagern, wo ihn niemand stört und er uns nicht mehr gefährlich werden kann. Jeder Olympier wird seinen Teil zu diesem Gewölbe beitragen und keiner wird irgendeiner sterblichen Seele von seinem Aufenthaltsort erzählen. Auch im Olymp wird niemand mehr von ihm sprechen, er wird vergessen werden, gestrichen aus den Geschichtsbüchern der Welt, wenn genug Zeit vorbeigegangen ist“, erwiderte Zeus und seine Augen wurden dabei hart und entschlossen. Ares nickte befürwortend und gemeinsam mit seinem Vater, half er Hades auf und sie kehrten in den Olymp zurück. Nur einige Momente später verschwand auch Daxicus’ Körper, getragen vom geflügelten Hermes, der das gesamte Erdreich um die Bestie mit sich führte, damit diese nicht doch erwachte.
Doch eine unsterbliche Seele erfuhr vom Schicksal des mächtigsten Kriegers seiner Zeit und diese hegte noch immer einen Groll gegen Zeus und seinen Stammbaum für eine Tat, die schon Äonen zurück lag. Eine Mutter vergisst jedoch nie und so schmiedete sie Pläne, um für die Rückkehr des göttertötenden Schlächters von Theben zu sorgen, damit sie selbst ihre Rache erhielt.
Greise glauben alles, Männer bezweifeln alles, Junge wissen alles.
- Oscar Wilde

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